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 "Utopia"
Sandrokottos Offline




Beiträge: 924

09.07.2007 16:11
RE: Prolog antworten

Utopia - Prolog

"Es reicht!", brüllte er und donnerte seine Faust mit einer solchen Wucht auf den Tisch, dass die Trinkgefäße seiner beiden Nachbarn ihren Halt verloren und sich über die Gewänder derselbigen ergossen.
Ihm gegenüber entließ ein graubärtiger Mann ganz erschrocken seinen Nebenmann aus dem Würgegriff. Alle starrten sie den energischen Vierzigjährigen entsetzt an.
„Wie lange soll es noch so weitergehen?“, fing er an, „um uns herum werden ganze Länder von den mächtigen Diadochenreichen okkupiert, ganze Städte werden ausradiert –und ihr habt nichts Besseres zu tun, als euch zu prügeln?“
Er erhielt keine Antwort, sondern wurde nur weiterhin ungläubig angestarrt.
„Seht uns nur an! Ein wilder Haufen, ein leichtes Opfer für jeden, der ein paar zusätzliche Ländereien sein Eigen nennen möchte! Wir sehen zu und tun nichts! Wir lassen uns unterdrücken. Wenn es so weiter geht, wird bald keine Stadt mehr stolz von sich behaupten können, sich selbst zu beherrschen. Die Herrscher werden andere sein! Wollt ihr das? Ich sage euch, wenn wir uns nicht zusammenschließen, und das schnell, dann wird jeder einzelne von uns untergehen! Ohne jeden Zweifel. Daher wird Athen eine Konferenz aller freien Nationen einberufen, um ein Bündnis zu schmieden, wie es die Welt noch nie gesehen hat! In zwei Monaten sehen wir uns wieder, und dann müsst ihr euch entscheiden –zwischen Freiheit und Knechtschaft!“
Demosthenes, der Autor jener kühnen Worte, stand auf und die Versammlung applaudierte.

Demosthenes, der auch der Jüngere genannt wurde, war ein Urahn jenes großen Redners, der einst Philipp II. Paroli geboten hatte. Und er war ein ebenso fähiger Politiker und Diplomat wie sein Vorfahr. In Athen war er der unangefochtene Wortführer der Volksversammlung und dominierte das politische Bild Athens völlig.
Einige Wochen später waren auch schon Boten unterwegs, die in die entferntesten Winkel des Erdkreises reisen sollten, um die Führer der freien Völker zur Konferenz nach Athen einzuladen.
Tatsächlich brachten sie viele Zusagen mit, auch aus weit entfernten Gebieten wie Germanien, Skythien und Afrika. Sogar der Fürst von Hibernien sagte zu.
Die Vorbereitungen waren in vollem Gange…

Auf der anderen Seite der Ägäis, im ptolemäisch besetzten Halikarnassos, geschah unterdessen etwas, das den Lauf der Geschichte entscheidend zu beeinflussen vermochte:
Es kam wieder einmal zum Krieg zwischen Syrien und Ägypten. Der Seleukide Antiochus unternahm einen weiteren Versuch, Palästina in sein Reich zu integrieren.
Im Gegenzug machte sich die Ägyptische Garnison von Halikarnassos auf, um das kleinasiatische Sardis zu erobern.
Im Vorfeld hatte Iollas, ein fähiger Feldherr und Taktiker, dem ägyptischen König Hekhemmut seine Dienste als General in diesem Krieg angeboten. Da er jedoch um die Vorgeschichte des Iollas wusste, lehnte er ab und erlegte ihm zudem auf, sich in keiner Weise an diesem Krieg zu beteiligen. Weder als General noch als Soldat.
Iollas war ein Bruder des Alexander, des Statthalters von Sardis und somit Mitglied des seleukidischen Königshauses.
Als er kurzzeitig in Antiochia weilte, kam seine skrupellose Natur schon zum Vorschein:
Er versuchte, Antiochus zu ermorden!
Als dies nicht gelang, floh er nach Ägypten, wo ihm der Aufenthalt in Halikarnassos zugesagt wurde, weit weg von der Machtbasis und den Familienmitgliedern der Ptolemäer!
Und dieser Mann war nun allein in Halikarnassos, zusammen mit dem Statthalter und der leicht beeinflussbaren Einwohnerschaft.
Das folgende sollte bei seinem Charakter nicht überraschen, denn er sammelte einige unzufriedene um sich und marschierte auf den Statthaltersitz!

Es ist verwunderlich, dass sich überhaupt engagierte Bürger fanden, die sich seinem Putschversuch entgegenstellten.

Jedoch konnte er letzten Endes den Statthalter eigenhändig erschlagen.

Somit war er der neue Machthaber in Halikarnassos

Doch wenig später, nachdem ein Waffenstillstand vereinbart worden war, kehrte die Garnison von der Belagerung Sardis’ zurück und unternahm den Versuch, die Stadt zurückzuerobern.

Iollas hatte aber inzwischen viel getan und den Bürgern die grundsätzlichen Dinge beigebracht.
Somit ließen sie sich in Notsituationen als Milizhopliten einsetzen. Für ernste Probleme hatte er jedoch auch nicht auf die Anwerbung von Söldnern verzichtet, die mit Kreta-Bogenschützen und Rhodos-Steinschleuderern eine nicht zu unterschätzende Machtbasis darstellten.
Dieser Umstand traf die Ägypter unvorbereitet:


Nach kurzer Zeit war die Garnison geschlagen und die Ägypter mussten sich zurückziehen.

Somit hatte Iollas seine Herrschaft gesichert.
Als auch bei ihm ein Bote erschien, der ihn bat, zu Demosthenes Kongress nach Athen zu reisen, erkannte er die Gelegenheit, seine Position weiter zu stärken.

Dann war es endlich soweit; Demosthenes trat auf die Bühne des Theaters, in dem die Veranstaltung stattfand. Die Fürsten aus aller Herren Länder saßen und standen auf den Rängen und waren bereits vielfach dabei, sich angeregt zu unterhalten. Ein ganzes Heer von Dolmetschern überwand die sprachlichen Barrieren. Jeder konnte sich mit jedem in seiner Sprache unterhalten. Das sollte die kommenden Beratungen sehr erleichtern.
„Seid gegrüßt! Die wenigsten unter Euch werden mich kennen, mein Name ist Demosthenes.
Ich spreche hier als freier Mann zu Euch –sowie Ihr alle freie Männer seid. So unterschiedlich, wie Menschen nur sein können, aber doch gleich. Uns alle eint ein gemeinsames Ziel: Unsere Freiheit zu verteidigen!
Deshalb seid ihr zu dieser Konferenz geladen worden. Immer mehr Länder fallen unter die Herrschaft blutrünstiger Tyrannen. Immer weiter werden die Schwachen geschwächt, immer mehr bereichern sich die Reichen und Mächtigen an ihrem Blut und Land.
Wie lange wollen wir das noch zulassen?
Ist es nicht besser in Freiheit zu leben, als auf Knien? Entscheidet ihr nicht lieber für euch selbst, statt dass es andere tun? Wollt ihr nicht lieber leben als leiden?“
Demosthenes hielt eine Weile inne, sodass die den Fürsten beigeordneten Übersetzer Zeit hatten, seine Worte bis dahin zu translatieren.
Nachdem dies geschehen war, nickten viele zustimmend.
Der Athener fuhr fort:
„Ich rufe euch auf, freie Völker dieser Welt, schließt euch zusammen! Sammelt euch um ein Banner und haltet es stolz den großen Königen entgegen! Zeigt ihnen, dass wir uns nicht länger herumschubsen und unterdrücken lassen! Kämpft gemeinsam Seite an Seite, auf dass unsere Kinder in einer gerechteren Welt leben mögen. In einer Welt ohne Krieg; in der ein freier Mann furchtlos seines Weges gehen kann, ohne fürchten zu müssen, von einer marschierenden Armee getötet, gefoltert oder versklavt zu werden!
Diese Welt kann es geben, wenn wir fest zusammenstehen und die großen Reiche zu Fall bringen, gerecht teilen und den Frieden einkehren lassen in unseren Ländern!“
Plötzlich wurde er von einem der Gäste unterbrochen:
„Das ist Wahnsinn, was Du vorschlägst! Die griechischen Könige sind mächtig. Sie haben jeder eine große Armee und diese sind gut ausgerüstet und ausgebildet. Wie sollen wir gegen so etwas bestehen? Was willst Du dem entgegensetzen?“
Demosthenes überlegte nicht lange, sondern gab ihm direkt eine konkrete Antwort auf seine Frage:
„Ich verstehe Deine Besorgnis, mein Freund. Ich habe nicht behauptet, dass es leicht werden würde. Wir werden große Opfer bringen müssen. Sicherlich wird es auch Rückschläge geben.
Aber die Soldaten der Könige kämpfen für Geld. Wir dagegen kämpfen für unsere Freiheit. Wir kämpfen um unser Leben! Und der Wille eines freien Mannes ist zehnmal stärker als die beste Rüstung des besten Soldaten, der sich bezahlen lässt. So ein Mann hat mehr Optionen!
Wenn wir wilde Entschlossenheit gepaart mit guter Strategie gegen sie richten, wird keiner der Könige noch lange eine Armee befehligen noch einen Palast bewohnen!
Organisation ist dabei der wichtigste Aspekt: Zu Beginn werden wir viele unserer Gebiete verlieren. Vor allem im Norden werden die Barbarenstämme schnell auf uns aufmerksam werden. Daher müssen wir diese Gebiete so schnell es geht mit allen Kräften verlassen.
Bis wir dort eingreifen können, werden sich unsere Freunde von den Stämmen im Norden in den Osten zurückziehen müssen. In Griechenland und Kleinasien werden wir versuchen, eine gesicherte militärische und wirtschaftliche Basis aufzubauen. Das wird für uns der Ausgangspunkt für alle weiteren Operationen sein. Die Stämme im Land der Araber werden sich der Ägypter annehmen müssen. Sollten sie besiegt werden, stünde uns der Weg zum Mittelmeer offen und wir hätten mit dem Getreide aus dem Nilland eine wichtige Einnahmequelle für den Aufbau einer starken eigenen Streitmacht. Zudem wird das Land gegen Angriffe weitestgehend geschützt sein, da die afrikanischen Wüstenstämme der Numidier kein direktes Interesse an diesem Gebiet haben. Die Seleukiden könnten so von zwei Seiten in die Zange genommen werden; von Ägypten und Kleinasien!
Unterdessen werden sich die Stämme im Alpenland in Bewegung setzen, um sich auf der italischen Seite derselben festzusetzen.
Dort sollen sie versuchen, die neue Großmacht Rom am Vordringen nach Gallien zu hindern.
Die Römer könnten sehr schnell eine ernste Gefahr darstellen, die es frühzeitig zu bremsen gilt. Soweit zu meinem Plan. Wer sich bewogen fühlt, sich uns anzuschließen, der möge eine Scherbe mit seinem Namen und dem des Volkes, das er vertritt, beschreiben und in die Schale auf der Bühne werfen.“
Dann verließ Demosthenes das Rednerpult und die Fürsten schritten zur Urne.
Iollas von Halikarnassos nahm jedoch einen anderen Weg. Er folgte Demosthenes und forderte ihn auf, ihm das Kommando über die Streitkräfte in Kleinasien zu übertragen.
Demosthenes gefiel der Gedanke nicht, jedoch war ihm bewusst, dass er wahrscheinlich der einzige fähige Feldherr in dieser Runde war.
Also wurde Iollas am darauf folgenden Tag zum Feldherrn Asiens ausgerufen. Ihm oblag der Kampf gegen Seleukiden, Ägypter und das aggressive Königreich Pontus, das sein erstes Ziel werden sollte.
Demosthenes selbst wurde zum Führer der Allianz gewählt und mit dem Kommando für Griechenland betraut. Seine Strategie wurde von der Versammlung offiziell bestätigt.
Nun machte man sich an die Vorbereitungen zur Umsetzung des Plans. Der Feldzug gegen Kleinasien, ebenso wie alle anderen Operationen, sollte im Sommer des folgenden Jahres beginnen.

Ende des Prologs

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