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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Rome Total War - Kampagnengeschichte "Ex flammis orior"
Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

09.08.2009 17:40
RE: Zwischenkapitel antworten

Das Ende der Diktatur

587 a.u.c. Arretium

Nero trat in den grossen Audienzsaal des Palastes von Arretium, seines Palastes. Alles war für die Feier vorbereitet. Blumen und Kerzen verströmten ihren Duft und gaben dem Raum ein feierliches Aussehen. In der Mitte, auf einem Podest stand der Stuhl auf welchem er später sitzen würde. Diener wuselten um ihn herum und stellten das Bankett bereit, welches die Gäste nach der Zeremonie zu sich nehmen würden. Er ging durch eine Tür in den Garten hinaus und schaute den diversen Tieren zu, die sich dort tummelten. In Gedanken schweifte er ab zu den drei Jahren nach dem Tod seines Vaters. Die Flucht aus Darantasia war überstürzt gewesen und obwohl Manius ihn als seinen Nachfolger eingesetzt hatte, übernahm Amulius Maternus die Macht des Diktators. Maternus hatte viel Mühe mit den Hinterlassenschaften von Manius, denn auch die Gallier machten wieder vermehrt Druck auf die Republik. Eine Einnahme von Mediolanum konnte mit einem Aufgebot von drei ganzen Legionen abgewendet werden. Maternus wollte sich dann mit einer Legion unter dem Kommando von Nero vereinigen, allerdings kam es nie dazu. Einige Germanen lauerten dem Diktator auf und griffen ihn in der Nacht an. Es ging das Gerücht um, das Nero diesen Angriff organisiert hatte, aber das konnte weder jemand bestätigen noch dementieren und so wurde nun Nero zum neuen Anführer der iulischen Dynastie und heute Abend sollte er offiziell zum Diktator der römischen Republik ernannt werden. Die ersten Befehle hatte er bereits unterschrieben, denn im Grunde war diese Verleihung nur eine Farce. Der wichtigste der Befehle war die Verlegung des iulischen Herrscherhauses von Capua nach Arretium. Weiter weg von Rom und zentraler gelegen erschien diese Stadt besser geeignet zu sein um die Geschicke der Repulik zu lenken.

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

27.12.2009 23:44
#2 RE: Zwischenkapitel antworten

Nero verliess den Saal wieder und ging zu den palasteigenen Bädern. Erst bei der Massage merkte er wie verspannt er war. Er machte sich Gedanken über die Zukunft der Republik und auch Gedanken über seine Zukunft. Sein Vater konnte ein Reich übernehmen, das im Schatten der Barbarei im Norden lag. Manius war ein unbarmherziger Diktator und auch ein Kriegstreiber gewesen. Nero selbst war geschockt gewesen, als er seinen alten Freund Appius Livius auf die Galeeren geschickt hatte. Auch jetzt war die Republik noch in Gefahr, aber die Ausgangslage war wesentlich besser, als noch vor 20 Jahren. Nero war sich bewusst, dass er nicht lange Diktator sein würde, sollte sich die Lage stabilisieren, aber er würde weiterhin Oberhaupt der mächtigsten römischen Familie bleiben. In Gedanken ging er die nächsten Schritte durch. Es war an der Zeit Patavium wieder zurückzuerobern. Ausserdem mussten diese wilden Germanen endlich vom Boden der Republik vertrieben werden. Laut den neusten Berichten war Mediolanum nun unter der Belagerung dieses unzivilisierten Volkes und zu allem Überfluss wurde Darantasia von den Galliern belagert. Mit einem Stöhnen setzte sich Nero auf. Die Massage hatte gut getan und viele Verspannungen gelöst. Nachdem er den Waschgang mit einem Heiss- und einem Kaltwasserbad abgeschlossen hatte liess er sich in seinen Räumen in die prächtigsten Kleider wickeln die er besass. Er konnte die Diener im Hof herumwuseln hören. Die ersten Gäste waren scheinbar schon eingetroffen. Er ging hinaus um die Leute zu begrüssen aber er wurde nie damit fertig. Ständig strömten mehr Personen durch die Türen herein und füllten den Palast zusehends. Vorerst wurde nur gekühlter Wein serviert und miteinander gesprochen. Als die Zeit gekommen war öffneten sich die Türen des Audienzsaales und die Gesellschaft bewegte sich hinein. Kaum hatte Nero Platz genommen, wurde die Gesandtschaft des Senats angekündigt. Die Zeremonie war erstaunlich unspektakulär und die Gesandten des Senats verabschiedeten sich sogleich wieder. Das anschliessende Fest war dafür umso rauschender. Die Speisen waren die edelsten die Nero hatte auftreiben können und auch Wein hatte es mehr als genug. Nubische Tänzerinnen erfreuten die Teilnehmer und irgendwo im Palast wurde sogar eine Komödie aufgeführt. Es kam soweit, dass Nero am nächsten Tag mit einem gewaltigen Brummschädel und keinerlei Erinnerungen an den vorigen Abend aufwachte.



587 a.u.c. in Sichtweite der Stadt Patavium

Nero schaute auf die ausrückenden Legionen und konnte sich nicht vorstellen wie sie die Schlacht um Patavium verlieren sollten. Zwei volle Legionen hatte er aufgeboten um den Germanen ihre Invasionsgrundlage in der Republik zu entziehen und er hatte nicht vor, diese Truppen unnötig aufs Spiel zu setzten.
Noch bevor die Legionen auf die Truppen aus Patavium trafen rieben sie eine Vorhut auf, die offensichtlich auf dem Weg war Patavium zu warnen. Trotzdem, dass diese Einheit vollständig vernichtet wurde, standen sich wenig später die Legionen der Republik und die Germanen gegenüber.
Durch den geschickten Einsatz der beiden Legionen konnten die Germanen ohne weiteres in die Zange genommen werden. Der General der Barbaren schien es ausserdem für gescheit zu halten die Truppen in dieser Situation zu teilen, was die Hoffnung auf einen Sieg für die Germanen eigentlich schon völlig zunichte machen musste.

Von seiner Position aus musste Nero zugeben dass sich die Germanen tapfer gegen die Übermacht schlugen. Als er am Abend dann die Zahlen über die Verluste auf dem Tisch hatte, verschlug es ihm die Sprache. Er hatte knapp 30000 Mann auf dem Feld gehabt, die Germanen nicht einmal die Hälfte und trotzdem mussten 5000 gute Legionäre zu Pluto gehen. Zugegeben, Patavium war wieder in römischen Besitz übergegangen, aber dennoch war der Preis sehr hoch. In seiner Wut befahl er alle germanischen Einwohner der Stadt zu kreuzigen und die Kreuze auf der Strasse Richtung Norden aufzustellen. Es war das erste Blutbad dass er anrichten liess, aber es sollten noch viele folgen. Die Befehle die er in Patavium erliess waren auch sehr klar gehalten. „ Baut eine Garnison auf und verbessert das Leben in der Stadt.“ So begann die Aushebung von Hilfstruppenlegionen und der Bau der öffentlichen Bäder. Nero zog mit seiner eigenen Legion Richtung Mediolanum wo noch zwei germanische Armeen auf ihre Auslöschung warteten. Zu diesem Zweck hatte Nero beinahe die gesamten Armeen des Nordens zusammengetrommelt. Insgesamt waren wohl etwa 80000 Mann um Mediolanum zu verteidigen und die Germanen aus der Republik zu drängen. Doch schon im nächsten Winter wagten es die Germanen mit zwei weiteren Armeen Richtung Patavium zu ziehen und stellte Nero damit vor eine unangenehme Entscheidung. Sollten die beiden Armeen vor Mediolanum zerstört werden, oder hatte die Sicherung Pataviums Vorrang? Da die Legionen schon versammelt waren entschloss sich Nero zum Angriff auf die Armeen vor Mediolanum. 26000 Legionäre standen knapp 8000 Germanen entgegen. Die Schlacht wurde am nahe gelegenen Fluss geschlagen, was den Germanen einen ziemlichen Vorteil bot, da sie nur die Brücke halten mussten. Nero, der den taktischen Wert der Brücke sehr wohl kannte, überschritt diese als die Möglichkeit dazu noch bestand. Tatsächlich liessen sich die Germanen soviel Zeit, dass sich die römische Legion sogar noch vollständig positionieren konnte, bevor die beiden Streitmächte aufeinander trafen. Durch diesen Umstand waren die Barbaren aus dem Norden chancenlos und nahmen bald schon die Beine in die Hand und flohen. Für einmal liess Nero es geschehen. Er war froh darüber die Schlacht mit wenigen Verlusten überstanden zu haben.
Nach dieser ersten Schlacht zog Nero gegen Norden wo er sich mit den beiden anderen Legionen vereinigte. Kaum eine Woche später standen sich in der Morgendämmerung 20000 Germanen und mehr als 50000 Legionäre gegenüber.
Es schneite leicht und ein kalter Wind blies von Norden her über die leicht hügelige Landschaft. Wolken zogen über einen stahlblauen Himmel, während die Sonne gemächlich höher stieg. Nero blickte über das Gelände das schon bald von Blut getränkt sein würde, dann gab er den Angriffsbefehl. Auch er selbst jagte mit seiner Leibgarde in die Germanen hinein. Er versank in einer Trance und haute, stach zu und parierte mit mechanischen Bewegungen. Als er das nächste Mal seine Umgebung bewusst wahrnahm waren die Germanen auf der Flucht und seine Truppen verfolgten die letzten Überlebenden. In dem Getümmel nahmen die Truppen einen Kriegsherr gefangen, der einige Wochen später zusammen mit seiner Leibwache hingerichtet wurde.



Nun war es an der Zeit die Republik zu Grösse und Ruhm zu führen. So kam es, dass Nero eine Legion am Mittelmeer entlang gegen Westen führte. Auf ihrem Weg passierten sie die Hafenstadt Genua und gelangten so auf gallisches Gebiet. Innert zweier Jahre fielen die Städte Nicea und Massilia am Mittelmeer sowie Lugdunum an die neu ausgehobenen Legionen. Durch die neue Grenze wurde der Druck der Barbarenvölker auf die Republik wieder einiges grösser und Nero musste sich dazu durchringen diese Gebiete erst einmal zu sichern, bevor weitere Eroberungszüge ins Auge gefasst werden konnten. Tatsächlich ging diese Phase sogar sechs lange Jahre in dem die Republik ständig neue Legionäre nach Darantasia und Lugdunum schicken musste.

598 a.u.c. Rom

Rom war im Aufruhr überall gingen die Gerüchte um, Nero Iulius sei in der Stadt angekommen. Der Senatsvorsitzende Tertius Atilius Sigilis machte sich Sorgen deswegen. Durch die Verbesserung der Kanalisation, dem Bau von öffentlichen Bädern, Arenen und Hippodromen war die iulische Familie sehr angesehen in den Augen der Bürger. Wenn Nero jetzt in der Stadt war und sich nicht angemeldet hatte, konnte das nichts gutes heissen. Er stapfte durch die Strassen zum Tempel des Jupiter wo die heutige Sitzung des Senates stattfinden sollte. Viele der Senatoren waren anwesend und ein Murmeln erfüllte die ehrwürdigen Hallen. Als Sigilis eintrat wandten sich die Senatoren ihren Plätzen zu und kaum als der Vorsitzende Platz genommen hatte ertönte eine Fanfare. Durch die hohe Doppeltür des Tempels traten Legionäre ein, in voller glänzender Rüstung, das rot der Soldaten tragend und mit einem Zierschwert bewaffnet. Als sich alle Soldaten regelmässig verteilt hatten trat eine Gestalt durch die Tür, in einer Zierrüstung aus Bronze oder Gold, im Arm hielt er den Helm eines Feldherren. Sigilis hatte Nero Iulius noch nie gesehen, aber spätestens als er den Phönix, den auch schon Manius getragen hatte, auf Brust des Mannes sah wusste er wer das war und dem erschrockenen Schweigen der Senatoren nach hatten auch diese es begriffen.

Nero erhob die Stimme: „Senatoren, erlaubt mir dass ich mich vorstelle. Ich bin Nero Iulius, der momentane Diktator und Anführer der iulischen Familie. Ihr mögt euch fragen was ich mit all den Soldaten hier will. Nun, die Soldaten sind ausschliesslich meine Ehrengarde und haben keinen sonstigen Zweck. Und nun zum eigentlichen Grund meiner Anwesenheit.

Zwanzig Jahre schon wird die Republik von Diktatoren geleitet. Sie alle waren Vorfahren von mir, einer sogar mein Vater selbst. Es waren schwierige Zeiten. Die Vertreibung Hannibals und dann die ständigen Einfälle der Barbaren. Mein Vater löste wohl den Krieg gegen die Germanen aus und schuf einen unbarmherzigen Feind jenseits der Alpen. Patavium war lange Zeit ein Bollwerk, das schlussendlich überrannt wurde, genauso Darantasia. Das Imperium war damals beinahe am selben Punkt wie bei der Invasion Hannibals. Ja Senatoren, die Diktatoren waren nötig um die Sicherheit und die Werte der Republik zu wahren.
Mein Vater hat allerdings, mit seiner letzten Anordnung bevor er ermordet wurde, einen gewaltigen Schritt zur Ausbreitung und Sicherung der Ländereien der Republik gemacht. Die Reform des Heerwesens kostet den Staat zwar viel Geld, erlaubt uns aber auch die Ausbildung einer Armee, gegen die kein Volk bestehen kann. Ich selbst habe die neuen Truppen über die Alpen geführt. Innerhalb kürzester Zeit sind viele Städte der Gallier an uns gefallen und bringen nun viele Steuern.
Senatoren die Zeit der Diktatoren ist nun vorbei. Niemand sollte soviel Macht auf sich vereinen, denn Macht verleitet zu schlechten Taten. Ich lege hiermit das Amt des Diktators nieder. Nun bin ich ein Bürger ohne besondere Rechte. Trotzdem muss ich einige Anträge stellen.
Die Ämter der Konsuln müssen neu besetzt werden. Dann stellt sich die Frage gegen welche barbarischen Stämme wir ziehen werden. Es gibt dabei zwei Möglichkeiten. Einerseits die Gallier. Sie sind schwach und können keine Armee aufbieten, die der Republik im Moment in irgendeiner Weise gefährlich werden könnte. Auf der anderen Seite sind die Germanen. Sie sind stark, können viele gut ausgebildete Krieger aufbieten und bedrohen die Republik schon sehr lange. Nun ist es an euch werte Senatoren, entscheidet wieder für das Volk von Rom. Erteilt Anweisungen wie es dem Senat von Rom zusteht.“

Nach dieser Ansprache verschwand Nero wieder und seine Ehrengarde machte sich äusserst geräuschlos vom Acker. Es kam allen vor, als ob dies ein Traum gewesen war. Tiberius Ligurius Victor war der erste der das Schweigen brach:

„Dieser Auftritt des julischen Abkömmlings zeigt wieder einmal die Arroganz dieser Sippe. Viele Jahre haben sie Rom mit nach ihrem Gutdünken geführten Kriegen terrorisiert und nun kommt dieser Abklatsch eines Dikators hierher um sein Amt niederzulegen aber nicht wie es sich geziemt. Er meint er täte damit etwas Erhabenes, aber es war schlicht und einfach die Pflicht des Diktators sein Amt nach getaner Arbeit niederzulegen.
Ich plädiere dafür nie wieder einen Diktator zu ernennen, die hinter uns liegenden Jahre haben bewiesen, dass diese Machtfülle für eine Person zu groß ist.
Die Konsuln sollten baldestmöglich vom Volk gewählt werden und es sollte wieder Normalität einkehren.
Auch plädiere ich dafür vorerst keine weiteren Kriege zu führen, es ist nich gut immer weiter auf Gedeih und Verderb vorzurücken ohne das vorher eroberte Gebiet zu sichern und römische Strukturen einzuführen .
Erst dann sollte Rom weiter nach Expansion streben.“

Gleich anschliessend übernahm Sextus Claudius Martialis das Wort:

„Sentatoren,

endlich!! Endlich hat der Diktator sich dazu durchgerungen, sich zurückzuziehen. Jedoch war die Art und Weise, wie er sich zurückgezogen hat, erbärmlich!
Bevor wir unser Augenmerk auf die Gebiete hinter unsere Grenze richten, sollten wir unser Volk erst die Möglichkeit geben, durchzuatmen. Die letzten Jahre unter dem arroganten Diktator waren geprägt von Entbehrlichkeiten und Schmerz. Wieviele Familien haben Verluste zu beklagen?
Ich plädiere dafür, den Platz unseres herrlichen Reiches zu festigen und nicht gleich wieder in Kriege zu ziehen. Lasst die Bauern ihre Felder bestellen, die Schmieden Rüstungen herstellen, die Fischer ihre Netze zu füllen.
Nach ein, zwei Jahren in Frieden können wir in aller Ruhe aus einer gestärkten Lage unsere neuen Feldzüge planen. Unsere stolzen Legionen werden mit einer hervorragenden Ausbildung, Ausrüstung und Moral auf die Schlachtfelder ziehen und siegreich sein.“

Mit lautstarkem Klatschen taten die Senatoren ihren Beifall kund. Bei der nächsten Sitzung trat Nero wiederum auf. Diesmal aber weder mit Ehrengarde noch in Rüstung, sondern nur in Tunika. Er bat die Senatoren um die Erlaubnis vor dem Frieden noch die Stadt Basilea am Rhenus einzunehmen. Sie gestatteten ihm dies, da er beteuerte, das die Stadt gehalten werden konnte.

Nero machte sich sofort auf in den Norden wo er auf seine Legion stiess, die bereits die Belagerungswaffen für den Sturm auf die Stadt gebaut hatte. Noch am Tag seines Eintreffens bekam er aber Nachricht von einer kleinen germanischen Armee, welche die eingeschlossenen Truppen unterstützen sollten

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

29.08.2010 21:55
#3 RE: Zwischenkapitel antworten



Wir waren eingeschlossen. Von Süden her rückte die germanische Armee an um Basilea zu befreien und die belagerten Truppen machten unter diesen Umständen auch Druck auf die Legion. Zu allem Unglück war auch Nero Iulius in Rom um irgendeiner wichtigen Sache nachzugehen. Ich sass im Praetorium und versuchte zusammen mit den anderen Offizieren die Lage richtig einzuschätzen und einen Schlachtplan zurechtzulegen. Fakt war jedoch, dass die Legion von der langen Belagerung und den zusätzlich anrückenden Truppen demoralisiert war. Die Abwesenheit von Nero Iulius machte die Sache nicht besser.
Von aussen hörte ich auf einmal ein Horn tönen und kurz darauf das Knarren der Tore. Jubel wurde laut und die gesamte Offiziersmannschaft trat vor das Zelt. Auf seinem weissen Ross ritt endlich unser Legat in das Lager. Ich pries in diesem Moment die Götter. Nero glitt mit einer fliessenden Bewegung von dem Pferd hinunter nickte mir und den anderen kurz zu und ging dann in das Praetorium hinein, wir folgten ihm. In kurzen, knappen Sätzen schilderte ich ihm die Lage und zeigte ihm auf einer Karte wie die Truppen standen. Nach kurzem Überlegen hatte er einen Entschluss gefasst und teilte uns mit wie er in der Schlacht um Basilea vorgehen wollte. Schnell erkannten wir warum er als der beste General der Republik galt.
Ich erinnere mich nicht an vieles. Beinahe alles verschwimmt in einem Meer aus Blut, Geschrei, Schweiss und Befehlen. Nur an eine Gegebenheit erinnere ich mich glasklar. Wir waren schon weit in die Stadt eingedrungen. Die von Süden angreifende Armee war geschlagen und auch die Verteidiger selbst konnten uns nicht mehr viel entgegensetzten. Nahe beim Kern der Stadt, der immer noch erbittert verteidigt wurde, war ein Steinkreis, wie ich ihn schon ein paar mal in heidnischen Städten gesehen habe. In der Mitte war ein Stein hingelegt und obwohl dort bisher noch niemand gekämpft hatte, war der Boden rundherum blutdurchtränkt. Fünf Priester der Germanen hatten sich dort zu einem Ritual versammelt. Auf dem Steinquader lag ein Junge, zwischen acht und zehn Jahren vieleicht. Die Priester hatten einen Gesang angestimmt. Die Intensität nahm zu und die Luft wurde immer dicker. Einer der Priester ging auf den Stein zu und hob eine Hand mit einem Messer. Es war klar was geschehen sollte. Aber noch bevor sich der Arm des Germanen senken konnte, ritt eine Person auf einem vollkommen weissen Pferd in den Kreis. Eine kurze Handbewegung und das Schwert flog aus der Hand des Reiters genau in die Brust des Priesters. Der Bann war gebrochen, man konnte wieder atmen und der himmlische Reiter entpuppte sich als Nero der nun grausam unter den verbliebenen wütete. Den Jungen sah ich danach nie wieder, aber ich habe Gerüchte gehört, nach denen der Junge ein römischer Sklave gewesen war. Nero habe ihn zu sich genommen und aufgezogen wie seinen eigenen Sohn. Naja, was ich sicher weiss ist, dass sich das Verhalten Neros nach diesem Kampf deutlich änderte. War er bisher ein Mann gewesen der bereit war Gnade zu gewähren und nicht jemanden vorschnell verurteilte, glitt er jetzt ganz klar auf die Verhaltensweise seines Vaters zu. Das wurde auch schon bei seiner Rede zur Einnahme Basileas klar.
„Legionäre“, sprach er, „ heute haben wir einen grossen Sieg errungen und euch gebührt die Ehre. Dies war der letzte Angriff römischer Truppen in den nächsten zwei Jahren, so hat der Senat gesprochen. Denkt an diesen Tag immer zurück. Viele von euch werden noch vor Ende der Waffenruhe in den Ruhestand entlassen.
Und ja ihr habt richtig gehört. Ich bin nicht mehr Diktator, sondern habe die Macht dem Senat zurückgegeben. Es ist nicht rechtens dass ein Mann so viel Macht auf sich vereinen kann und doch ist es manchmal notwendig.
Aber es gibt noch andere Dinge die notwendig sind. Beispielsweise die Auslöschung des Heidentums. Dies gilt nicht nur für die Germanen, sondern auch für die Gallier und die Kartager, für die Griechen und die Ägypter. Einige Kulturen sind gewissermassen zivilisiert und werden daher vorerst noch verschont, andere haben sich heute ganz speziell meinen Zorn zugezogen und auch den meines Vaters. Hier und heute beginnt jetzt ein neues Zeitalter. Ihr kanntet meinen Vater und ich war de Zeuge seiner Gottwerdung. Die alten Götter haben ausgedient, ab heute soll Manius Iulius über die Geschicke der römischen Legionäre wachen. Um dieses Fest gehörig zu feiern, hängt jeden Germanen der noch in der Stadt weilt und älter als zwölf Jahre ist ans Kreuz und stellt die Kreuze in Richtung Argentorate auf. Wir dürfen zwar keinen Angriff auf gegnerischem Territorium durchführen, provozieren allerdings... dazu haben diese Greise in Rom nichts gesagt.“
Wenn ich mich recht entsinne, war donnender Applaus und Jubel die Antwort auf die Rede. Auch ich habe mitgejubelt und ich bekenne Manius Iulius ist der einzige Gott und er wird wiederkommen um sein Reich vollständig aufzurichten.



Die Worte des Tribunen Galerius Cestius vor dem Senatsaussschuss zur Untersuchung des Kultes um Manius Iulius, Jahrzehnte nach der Eroberung Basileas.

[ Editiert von Markus Iulius am 29.08.10 22:01 ]

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