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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Rome Total War - Kampagnengeschichte "Ex flammis orior"
Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

30.05.2009 22:28
RE: Kapitel II: Manius Iulius, der Sieger antworten

Kapitel II: Manius Iulius, der Sieger


545 a.u.c. Rom

Der Senator Tertius Atilius Sigilis schlief unruhig in dieser Nacht. Als er aufwachte fühlte er sich kaum ausgeruht, er schätzte es ging seinen Amtskollegen nicht anders. Der Grund für die Nervosität waren die Festlichkeiten die an diesem Tag beginnen sollten. Beinahe zwei Jahre hatten die Vorbereitungen gedauert. Der Auftakt beinhaltete eine beträchtliche Gefahr. Zur Eröffnung sollten die beiden Legionen des Manius sowie die letzte verbliebene Legion der Iulier einen Triumphzug durch Rom halten. So viele fremde Truppen waren aber seit vielen Jahrzehnten nicht mehr in der Hauptstadt anwesend gewesen und viele Senatoren hatten Angst. Trotzdem, die Stadt war bereit. Die Senats eigenen Legionen waren herausgeputzt und würden auf jedenfall alles unter Kontrolle haben. Auf der ganzen Länge des Weges für den Triumphzug waren Banner der Iulier, Banner des Senates, sowie dieses seltsame Banner von Manius aufgehängt worden. Niemand in Rom wusste wer hinter diesem Banner stand, ausser der Senat. Nachdem er sich gewaschen hatte, kleidete er sich an und trat auf den Balkon in das Licht der aufgehenden Sonne. Dort liess er seinen Blick über die teilweise noch schlafende Stadt schweifen. Ja alles war bereit...

Zur gleichen Zeit erwachte Manius aus einem tiefen traumlosen Schlaf. Nach einer kurzen Rasur entschied er sich für einen Gang in die Thermen. Der Triumphzug würde noch lange nicht beginnen und es war sicher genügend Zeit dafür da.
Ein wohltuendes Bad und eine wunderbare Massage später ging er gemütlichen Schrittes, nur mit seiner Tunika bekleidet durch die Strassen Roms. Heute war sein letzter Tag hier. Nach dem Triumphzug würde er mit seinen Truppen und Apius nach Arretium ziehen und dort das Lager aufschlagen, bis man den Befehl zum marschieren erhalten würde. Langsam trugen ihn seine Beine wieder zum Sammelplatz der Truppen. Als er einige Stunden später auf seinem weissen Pferd in seiner goldenen und silbernen Rüstung sass und über die beiden ihm unterstehenden Legionen hinwegschaute fühlte er wie sein Stolz anschwoll. Heute würde ein neues Zeitalter beginnen, heute trat er, Manius Iulius, Erwählter des Appollon, an die Öffentlichkeit.

547 a.u.c. Norditalien

Genial, einfach genial, dachte Manius Iulius als er auf den Belagerungsring von Patavium starrte. Nach knapp zwei Jahren war der Befehl gekommen auszurücken. Er selbst musste nach Patavium, Apius sollte nach Mediolanum ziehen, während Vibius Iulius mit seiner Legion Genua angfreifen würde. Die drei Städte sollten innerhalb eines halben Jahres zur beinahe der gleichen Zeit fallen. Ein schwerer Schlag für die Gallier und ein enormer Gewinn an Land und Reichtum für die Republik. Erst vor einer Woche hatte er das Datum für den Angriff erhalten. Vibius hatte die Zeit knapp bemessen, aber das war ihm nur recht. Heute war der entscheidende Tag. Er, Manius selbst würde dabei nicht zuschauen, sondern in seinem Zelt sitzen und Wein trinken. Seine Offiziere waren fähige Leute und er vertraute ihnen in dieser Sache sehr. Bald würde er wieder in einem warmen Haus wohnen auch wenn es eine barbarische Hütte war.

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

31.05.2009 19:22
#2 RE: Kapitel II: Manius Iulius, der Sieger antworten

Nach dem verheerenden Schlag gegen die Gallier zogen sich die Barbaren vorerst aus den besetzten römischen Gebieten zurück. Es kehrte eine Zeit relativen Friedens ein, in welcher vorallem der Handel weiter ausgebaut wurde. Ein Jahr nach der Einnahme der drei Städte verunglückte der herrschende Diktator auf einer Lustfahrt auf dem Wasser. Sein Nachfolger war Vibius Iulius, der dritte Diktator in Folge. Da Manius die grösste Anzahl beweglicher Truppen in der Republik befehligte adoptierte Vibius den jungen Mann und erklärte ihn kurzerhand zu seinem Erben und damit auch zum nächsten Diktator. Die Prophezeiung hatte bei diesen Entscheidungen auch eine Rolle gespielt, war aber beinahe nebensächlich gewesen.


551 a.u.c. Patavium

Nur wenige Leute waren eingeladen worden. Vibius und Apius natürlich, sie mussten einfach bei seiner Hochzeit dabei sein. Manius schaute sich um. Die Hütte die als Statthalterpalast bezeichnet worden war, war den Umständen entsprechend hergerichtet worden. Blumengirlanden hingen über den Türrahmen, überall duftete es nach verschiedensten Kräutern oder eben Blumen. Wandteppiche verdeckten die rohen Holzwände und hie und da stand eine Statue eines Gottes. Im Raum tummelten sich Leute und genossen den Tag. Erlesene Weine aus Sardinien und dem Süden Italiens waren extra hergeholt worden und auch die Speisen liessen es an nichts mangeln. Schnecken und Wachteleier, Wildsschweinfleisch und frisches Brot und einiges mehr hatte Manius auftischen lassen. Neben ihm stand seine bezaubernde Frau Galla, die 9 Jahre jünger war als er selbst. „Entschuldige mich, ich muss mit Vibius reden“, sagte er und löste sich von ihrem Arm. Schnell fand er den Diktator. „Vibius, ich hoffe dir gefällt die Feier.“ „Sie könnte besser nicht sein“, meinte dieser und nahm lächelnd einen Schluck aus einem der goldenen Kelche welche für die “wichtigen“ Personen waren. „Nun das freut mich“, sprach Manius weiter, „aber es gibt andere, wichtige Dinge zu bereden, da du bereits morgen wieder nach Genua zurückkehren willst.“ Vibius nickte und Manius gab ihm ein Zeichen ihm zu Folgen. Er führte den Diktator auf die grosszügige Terrasse die das Gebäude hatte und die gerade von der untergehenden Sonne beschienen wurde. Auf einem hölzernen Tisch breitete Manius eine Karte aus, dann zeigte er erst einmal auf ein Gebäude im Palisadenring der Stadt. „Siehst du das römische Gebäude dort drüben? Das ist die modernste Reitanlage die es im Moment in der Republik gibt. Sie ist besonders zur Ausbildung von berittenen Plänklern geeignet. Nun komm, ich muss dir etwas auf der Karte zeigen.“ Sie gingen zur Karte und Manius deutete auf eine Stelle im Norden der Republik. „ Die ist die Grenze der Republik und eine der einzige direkte Weg in den Norden nach Germania Magna. Ich habe die Befürchtung, dass uns die Germanen bald angreifen werden. Um dem zuvorzukommen würde ich vorschlagen, dass ich mit einer Truppe in den Norden gehe und einen vorgeschobenen Posten errichte. Mir schwebt dabei eine sehr schnelle und mobile Reitertruppe vor, nicht grösser als tausend Mann, die aber eigentlich jeden zerschmettern sollte, er uns in den Weg tritt. Bedenke, es wäre der erste Schritt zur Ausweitung des Imperiums.“ Vibius schaute den jungen Mann lange an. Zweifel jagten hinter seiner Stirn durch. „Meinst du nicht, dass du damit einen schlafenden Riesen weckst?“ Manius schüttelte den Kopf und Vibius atmete tief ein. Er blickte in die blutrote Sonne und fragte sich, was er mit dieser Entscheidung auslösen würde. „Also gut, es sei gewährt. Aber gib acht, die Germanen könnten stärker sein, als wir glauben.“ „Ach was, die bekämpfen sich doch sogar untereinander und denken nicht einmal daran uns anzugreifen, auch wenn wir einen Stützpunkt in ihrem Land haben.“ Manius drehte sich um und wollte wieder zu den Gästen gehen, aber er merkte, dass Vibius nicht folgte. „Geh du nur, ich bleibe noch einen kurzen Moment hier“, meinte der Diktator und schaute dann traurig über die Landschaft hinweg. Eigentlich konnte es nur schief gehen.

554 a.u.c. Germanien, in der Nähe von Iuvavum

Fröstelnd trat Manius aus seinem Zelt. Die Soldatenkluft konnte kaum vor der Kälte und der Feuchtigkeit dieses Gebietes im Winter schützen. Nach einem hastigen Frühstück gab er Befehl zum aufsitzen und dann preschten sie weiter. Bisher hatte Manius recht gehabt, trotzdem, dass sich eine riesige römische Reiterhorde auf germanischem Grund und Boden befand, hatten sie noch keine germanischen Truppen gesehen. Heute würden sie Iuvavum erreichen und dann konnten sie den Belagerungsring um die Stadt aufbauen. Manius glaubte nicht, dass die eingeschlossenen Truppen lange mit einem Angriff auf sich warten lassen würden.
Doch damit hatte sich der Feldherr gewaltig getäuscht. Drei Jahre lang mussten die römischen Truppen im Dreck ausharren. Krankheiten machten sich breit und rafften einen Teil seiner Truppen dahin. In dieser Zeit drangen nur wenige Informationen durch. In Ligurien hatte es ein Erdbeben gegeben, mit Carthago und Gallien war ein Waffenstillstand geschlossen worden, mehr erfuhr er aber nicht. Im Frühjahr des Jahres 557 a.u.c. hatte die Bevölkerung von Iuvavum keine Nahrungsmittelvorräte mehr und es kam zur Schlacht.



Kaum waren die Truppen aus der Stadt, stürzten sich auch schon die kampfbegierigen Soldaten Manius auf die Germanen. Auch wenn ihre Anzahl grösser gewesen wäre hätten sie keine Chance gehabt. Die vielen Plänkler machten aus den Barbaren Nadelkissen und dabei war es egal, ob das normale Axtkämpfer oder sogar der Hauptmann mit seiner Leibwache waren.





Einzig eine Einheit Equites hatte am Schluss der Schlacht einige wenige Männer aufgrund von Kollateralschaden verloren und diesen war Manius gerne bereit in Kauf zu nehmen.



Manius gab Befehl die Eingeborenen zu versklaven und in die Republik zu schicken.
Doch dann geschah etwas was Manius nicht hatte glauben wollen, die Germanen wollten Iuvavum nicht den Römern überlassen. Ein Jahr nachdem die Siedlung gefallen war stand eine wesentlich grössere Armee in der Nähe der Stadt. Ein Kampf war unvermeidlich und Manius wusste das. Seine Späher hatten ihm ausserdem gemeldet, dass die nächste germanische Armee bereits im Anmarsch sei.



So übertrug er das Kommando der Stadt einem Offizier der neu ausgebildeten Hastati und zog mit seinen Reitern ins Feld. Das Gelände war sehr waldig und Manius gedachte diese Gegebenheit für seine Zwecke auszunutzen. Während die Equites und er sich im Unterholz versteckten sollten die Plänkler den Feind schwächen, damit sie nicht mehr gegen die Nähkämpfer bestehen konnten. Aus dem Hinterhalt heraus griffen aber auch die Plänkler an und überraschten die Barbaren völlig.



Während den Germanen Speere in die Rücken krachten löste sich ihre Armeeformation beinahe völlig aus, aber Manius hielt sich und seine Equites noch zurück. Die Germanen waren noch nicht soweit.



Auch als er sah, dass immer wieder Nahkämpfe entstanden griff er nicht ein.



Erst im letzten Moment liess er die gesamte Kavallerie in den Nahkampf reiten. Alle zusammen schmetterten in die Reihen der Germanen und brachen den Willen der schon geschwächten Kämpfer in Sekundenschnelle.









Als Manius auf das Schlachtfeld zurückblickte, welches er und seine Überlebenden Truppen verliessen, sah er die ersten Krähen auf die Toten flattern. Er war zufrieden mit dem Tag, jeder Legionär hatte das gemacht was er wollte. In der Stadt würden sich alle Ausruhen, ein wenig Spass haben und sich auf die nächste Schlacht vorbereiten. Er hatte die Truppen schon informiert und sie waren begierig darauf wieder unter ihm in die Schlacht zu reiten.

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

01.06.2009 19:21
#3 RE: Kapitel II: Manius Iulius, der Sieger antworten

Er selbst ging in das Haus welches er mit seiner Frau bewohnte. Ein gemütliches Feuer prasselte in der Feuerstelle vor sich hin und erhellte den Innenraum mit flackerndem Licht. Trotzdem dass es “Sommer“ war, war es doch immer recht kühl und so ein warmes Feuer war gerade das richtige. Er legte sich auf das Tierfell, das dort lag und schaute an die Decke. Er dachte noch einmal über die vergangene Schlacht nach, über die gefallenen Römer. Eine Eigenart dieser Reiterlegion war, dass er jeden einzelnen dieser Leute persönlich und beim Namen kannte, so waren die Soldaten viel standfester, aber jeder Tote schmerzte dafür umso mehr. Er spürte wie sich seine Frau neben ihn legte, er nahm sie in den Arm und küsste sie vorsichtig auf die Stirn und dann auf den Mund. Galla hatte ihm gerade erst ein Mädchen geboren, ein wunderschönes Kind. Schade nur dass es ein Mädchen war. Wieder küsste er seine Frau, diesmal feuriger und stärker....

Der Winter des Jahres 558 a.u.c. war äusserst hart. Er war viel kälter als die vorherigen und im Sommer hatten die Bauern weniger ertragreiche Ernten einfahren können. Manius kontrollierte täglich die Kornspeicher und ging jeden Tag die Nahrungsmittellisten durch. Zu allem Unglück waren auch noch die Germanen gekommen und belagerten die Stadt. Manius wusste, dass er bald einen Ausfall wagen musste, denn die Kornspeicher gaben nicht mehr allzuviel her. Nickend trat er aus dem Haus und sprach den Zenturio Titus Neratius an. „Ruf die Truppen zusammen, wir reiten in die Schlacht.“ Dann trat er wieder ins Haus und suchte das Schlafzimmer auf. Dort lag seine Frau mit der Tochter im Arm. Nicht weit entfernt lag sein erster Sohn Lentulus. Leise schritt er auf dem steinernen Boden zu dem Kind und nahm es hoch. Manius schaute seinen kleinen Nachfolger an und freute sich ungemein. Er hatte eindeutig einen Grund um heute zu überleben. Er gab seiner Frau einen Kuss, welcher diese weckte. „Manius was machst du?“, fragte sie. „Es ist Zeit mein Schatz. Die Truppen machen sich bereit, ich selbst muss zuerst noch vor die Stadt, alleine.“ Ohne ein weiteres Wort kehrte er ihr den Rücken zu und ging zum Stall, der zum Haus gehörte. Dort nahm er ein braunes Pferd und ritt aus dem Osttor der Stadt, ohne irgendeine Leibwache. Er suchte das eine Lager der Germanen auf. Die Krieger zerrten ihn vom Pferd und schleppten ihn vor den Hauptmann der ihre Schar kommandierte. „Seid gegrüsst. Ich bin hergekommen um euch ein Geschäft vorzuschlagen.“ Manius löste einen Geldbeutel von seinem Gürtel. „Dies sind 200 Aurei wenn ihr nicht in der Schlacht eingreift bekommt ihr das doppelte dazu.“ Der Hauptmann schaute das Gold an und als Manius sah wie die Gier in seinen Augen zu glänzen begann, wusste er, dass er gewonnen hatte. Ohne ein weiteres Wort sass er auf und ritt im Galopp in die Stadt zurück, es war Zeit für einen Kampf.



Während die Truppen aus der Stadt strömten und sich formierten



rannten die Gallier ihrem Schicksal entgegen.



Anders als in den vorherigen Schlachten kam es gleich schon zu beginn zu Nahkämpfen, wobei natürlich auch reichlich Speere flogen.



Schon bald war der gegnerische General eingekreist und hatte keine Chance mehr zu überleben. Trotz dem wilden stechen und hacken seiner Leibwache gelang es den Equites und der Leibwache von Manius gemeinsam den Gegner zu bezwingen.



Als nur noch der Feldherr stand rief ihm Manius eine Herausforderung zu, aber der feige Hund lehnte ab und wurde von dutzenden von Schwerthieben niedergestreckt. Als der General so kläglich gestorben war, packte die Barbaren, wie man es schon zu genüge kannte die Angst und sie rannten um ihr leben.



Anders als zuvor, gab es von Manius jedoch Befehl so viele der Germanen wie möglich zu töten und so nahm eine unbarmherzige Verfolgungsjagd ihren lauf.



Keiner der Germanen überlebte. Der Hauptmann hielt sein Wort und griff nicht in die Schlacht ein. Manius wusste sehr wohl, dass er nur dank diesem Verrat so überlegen siegen konnte.



Als Manius langsam die Meldungen über Opfer und Verluste hörte konnte er es dennoch kaum glauben. Fast vierhundert tote Römer und beinahe viermal so viele Germanen waren an diesem Tag gestorben. Vielleicht hatte Vibius doch recht gehabt mit dem schlafenden Riesen, schoss es Manius durch den Kopf, aber er verdrängte diesen Gedanken sofort wieder. Solange Iuvavum gehalten werden konnte, würden die Germanen nicht daran denken über die Alpen zu gehen und damit war ein wichtiges Ziel erreicht. Dazu meldeten Späher, dass sich die Armee des bestochenen Hauptmanns nach dieser vernichtenden Niederlage aufgelöst hatte, wahrlich ein grosser Tag.
Vorerst wusste man von keinen neuen Bedrohungen für Iuvavum und so konnte man es sich gemütlich machen. Manius genoss es bei Frau und Kind zu sein ohne dabei an das nächste Gefecht denken zu müssen. Trotzdem mussten einige militärische Dinge geregelt werden. Da die letzte Schlacht einen guten Teil seiner Truppen gekostet hatte, bildete er neue Truppen aus und legte Veteraneneinheiten zusammen, da diese sich ja sowieso schon kannten. Im tiefsten Winter dann kam eine germanische Gesandtschaft um bei Manius vorzusprechen. Die Forderungen waren klar und unmissverständlich, Rom sollte sich den Germanen unterwerfen und Iuvavum abtreten. Die Antwort war genau so deutlich, aber wesentlich undiplomatischer, denn Manius liess dem unglücklichen Diplomaten einfach den Kopf abschlagen. Die Quittung für diese Tat folgte unverzüglich, denn im Sommer des nächsten Jahres stand bereits die nächste germanische Armee vor den Toren der Stadt. Zwar wurde die Stadt nicht belagert, aber Manius hatte auch mit Unruhen in der Stadt selbst zu kämpfen.

Ein klopfen an der Schlafzimmertür weckte Manius auf. Ein Zenturio schaute herein: „Herr, es gibt Probleme in der Stadt.“ Ohne weiter im Bett zu verweilen erhob sich Manius, zog sich an und lief aus dem Haus, wo bereits eine Wache wartete. „Es haben sich Bürger erhoben und protestieren gegen unsere Herrschaft. Sie ziehen gegen den Tempel und wollen ihn niederbrennen. Seht ihr den Rauch dort hinten? Das sind die ersten brennenden Häuser.“, wurde er informiert. „Sperrt den Tempelplatz und tötet jeden der nicht zum beten kommt. Dreihundert Soldaten kommen mit mir und reiben den Mob auf.“ Manius zog sein Schwert schweren Herzens, er mochte es nicht, einen Aufstand so niederzuschlagen aber er hatte keine andere Wahl.
Am Schluss des Tages hatte er grossen Respekt vor den Aufständischen, denn sie hatten ihn zweihundert Soldaten gekostet. Die mussten nun schnell wieder ersetzt werden damit man frohen Mutes in die nächste Schlacht ziehen konnte. Im folgenden Winter konnten die Germanen gestellt werden. Ohne das Manius es wusste ritt er einem seiner grössten Siege entgegen. Anders als zuvor standen ihm hier zwei Armeen entgegen und beide würden kämpfen.
Das Gefecht dauerte einen ganzen Tag und als der nächste Morgen graute, rannten die letzten Germanen in ihre Wälder zurück. Nahezu die ganze Reiterarmee von Manius war aufgerieben worden und doch hatte er am Schluss die Oberhand behalten.



Zwar war Iuvavum nicht weit entfernt, aber Manius liess dennoch ein Lager ganz in der Nähe des Schlachtfeldes aufbauen. Die Toten sollten noch den Riten gemäss bestattet werden. Zuerst aber befahl er allen ein wenig zu schlafen, denn die Truppen hatten das dringend nötig. Auch er selbst musste sich ein wenig beruhigen, so nahe wie heute war er dem Tod noch nie gewesen.
Manius erwachte mitten in der Nacht vom Geräusch eines fallenden Baumes. Als er aus seinem Zelt trat sah er die Legionäre aus dem Holz einen Schrein zu Ehren der Götter und des hier erlangten Sieges zu bauen. Er dachte bei sich, „So wird niemand diesen Sieg je vergessen.“

Nach diesem Sieg kehrte eine Zeit der Ruhe ein in der ganzen Republik. Erst im Sommer des Jahres 561 a.u.c. kam es zu den nächsten Kämpfen und die Gallier fielen wieder in die römischen Landen ein. Innert kürzester Zeit liess Vibius gewaltige Truppenverbände ausheben um der neuen Bedrohung Herr werden zu können. Die Belagerung Mediolanums wurde von zwei Legionen aufgehoben und auch sonst konnten die Gallier keinen Sieg erringen. Aber der Druck auf die Republik nahm immer mehr zu. Die einzige gute Nachricht war, dass die Germanen in dieser Zeit keinen eigenen Angriff auf die Iuvavum unternahmen, aber davon hatten die belagerten Römer wenig. Mehrere Versuche wurden unternommen mit einem der beiden Völker zumindest einen Waffenstillstand zu schliessen, aber die Bemühungen trugen keine Früchte.

565 a.u.c. Iuvavum

„Abwehren, angreifen, Drehung und Stich“, schallten die Rufe über den Waffenplatz wo Manius seinen Sohn im Lentulus im Schwertkampf unterrichtete. Der Junge machte seine Sache gut für einen siebenjährigen. Vom Rand des Feldes her sah der vierjärige zweite Sohn Decimus zu. Er wurde gerade erst mit dem Schwert vertraut gemacht und durfte noch nicht an den Übungen mit dem Vater teilnehmen. Die Kinder waren der ganze Stolz von Manius und er tat alles um ihnen auch hier im Norden eine gute Ausbildung angedeihen zu lassen und das nicht nur im Kampf. Nachdem er seinen Sohn genügend lang herumgehetzt hatte legte er ihm den Arm um die Schulter, ging zu Decimus, nahm diesen bei der Hand und spazierte scherzend zu ihrem Haus. Im Innern wartete ein müder und schmutziger römischer Bote. „Geht Kinder, geht spielen“, schickte er die Kinder in ihre Zimmer und widmete dann dem Boten seine Aufmerksamkeit. Dieser kniete vor ihm hin. „Herr ich muss euch mitteilen, dass Vibius Iulius in einer Schlacht ums Leben gekommen ist. Die Gallier belagerten Genua und er opferte sein Leben um Genua zu befreien. Ihr, Herr, seid damit der amtierende Diktator.“ Zuerst war Manius vor den Kopf gestossen, sein Vater tot? Er selbst Diktator? „Ich danke euch für die Nachricht. Ruht euch aus bevor ihr wieder über die Alpen reitet, ich werde euch Befehle mitgeben“, murmelte er vor sich hin, während er sich hinsetzte. Als der Bote gegangen war stützte er seinen Kopf in seine Hände und rief nach einem Becher Wein. Seine Frau brachte ihm den Becher. „Danke“, eine Pause folgte, „Galla, Vibius ist tot. Ich bin Diktator.“ Sie starrte ihn nur an. „Ich muss zu den Truppen“, sagte er und erhob sich.
Im Truppenlager sah er sich um und suchte den Zenturio Titus Neratius. „Lass die Truppen zusammenkommen ich habe wichtige Dinge zu sagen.“ Bald darauf standen die Legionäre in Reih und Glied vor ihm. „Soldaten“,begann er, „ heute ist ein Tag der uns alle mit Trauer erfüllen sollte. Einer der grössten Römer hat sein Leben ehrenhaft in einem Kampf geopfert um die Bürger der Republik zu schützen. Vibius Iulius weilt nicht mehr unter uns. Da ich als sein Erbe eingesetzt worden bin, trage ich seit heute die Last des Diktatorentitels mit mir herum. Ich kann nicht mehr nur wie bisher hier bleiben und versuchen Iuvavum zu halten um die Germanen von einem überschreiten der Alpen abzuhalten. Die Republik wird von einfallenden Galliern bedroht und sie benötigt unsere Hilfe um zu überleben. Mir ist bewusst, dass sich einige in diesen Jahren hier eine Existenz aufgebaut haben, dennoch gebe ich hiermit den Befehl, die Stadt soweit vorzubereiten, das wir sie jeden Tag verlassen könnten. Die Bürger werden ab nächster Woche über die Alpen eskortiert und in die zentralen Städte um Rom wie Arretium gebracht. Die Truppen ziehen innerhalb eines Jahres nach Patavium und befestigen dort die Stellung. Betet zu den Göttern, das Vibius nicht recht gehabt hat und die Germanen uns nicht folgen.“ Er salutierte und jeder Soldat schlug sich die Faust auf die Brust.

So kam es, dass Iuvavum geräumt wurde. Der Rückzug ging jedoch nicht so einfach von statten und Manius musste noch zwei grössere Gefechte austragen bevor er sich über die Alpen zurückziehen konnte. In der gleichen Zeit gab Manius befehle heraus die Minen von Darantasia einzunehmen. Der Feldherr Flavius Alienus machte sich auf den Weg um diese Aufgabe zu erfüllen. Im Frühjahr 566 a.u.c. übergab Manius Iuvavum den Germanen völlig friedlich in der Hoffnung, sie würden dadurch von einem Einfall über die Alpen absehen. Es heisst Darantasia sei in dem Augenblick gefallen als Manius mit seinen Reitern den Pass ins Kernland der Republik passierte. Er selbst hielt das für Aberglauben, aber er hielt den Aberglauben doch für genug nützlich um ihn für seine Zwecke zu nutzen. Den Bürgern Darantasias passten die neuen Herren aber gar nicht und sie revoltierten. Nach einer kurzen Belagerung wurde die Stadt geschleift und die Rädelsführer geköpft. 567 a.u.c zeigte sich, dass das ganze Hoffen und Bangen nichts genutzt hatte und die Germanen trotz allem die Alpen überquert hatten. Eine Schlacht wie es sie seit Hannibal nicht mehr gegeben hatte, sollte die Germanen wieder vom römischen Gebiet vertreiben.



Es war jedoch nicht diese Schlacht die ihm dann den schon den Beinamen „Der Sieger“ sondern die die gleich darauf folgte und erheblich spektakulärer war. 569 a.u.c. kam es zu einer Schlacht mit zwei germanischen Armeen, welche wieder einmal mit einer Infanteriearmee ausgefochten wurde. Das erste mal wurden hier aber Balisten eingesetzt und diese waren der Schlüssel zum Sieg von Manius.



Die zweite Armee traf in der Flanke von Manius ebenfalls schon ein.



Als erstes schossen schonmal die Balisten auf den sich nähernden Gegner und dezimierten ihn.



Doch es dauerte nicht lange und die ersten Gefechte entbrannten. Als die Equites sahen, dass die Balisten in Gefahr waren stürmten sie sofort zu deren Rettung herbei.



Zusätzlich beorderte Manius noch einige Fusstruppen ab um den Kampf schnell zu entscheiden.



Die Legion hatte sehr gut gekämpft und die Germanen befanden sich schon in der Auflösung, aber dann griff die zweite Armee in die Schlacht ein und wendete zumindest zu Beginn das Blatt noch erheblich.



Ein grosser Kampf rund um die Balisten nahm seinen Lauf, obwohl noch viele Gegner auf freiem Feld vor den Römern auf sie zu marschierten.



Die Manipel in der Mitte hatten sich an Ort und Stelle zu halten und weil sie Manius vertrauten, taten sie das auch obwohl sie gegen eine Übermacht ankämpfen mussten. Auf der Seite bei den Balisten nahm der Kampf ein Ende, als der gegnerische General unter den Hufen von Manius Pferd zermanscht worden war. Da die Truppen nun von ihrer Last befreit waren, gab Manius den Befehl zum wenden und krachte auch gleich selbst mit voller Wucht in die Germanen. Der Tod ihres Anführers auf dem Schlachtfeld und dieser überraschende Angriff kam so unerwartet, dass sie alle ihr Heil in der Flucht suchten.



Die wenigen verbliebenen Truppen stellten kein grosses Hindernis mehr dar und Manius wusste, dass er einen wirklich bedeutenden Sieg errungen hatte.



Vorerst waren die Germanen zurückgedrängt, aber er hatte nun keinen Zweifel daran, dass weitere Truppen über die Pässe strömen würden.

Nach diesem Sieg wurde Manius Name nur noch ehrfürchtig ausgesprochen. Das gemeine Volk nannte ihn ab jetzt den Sieger, obwohl er diesen Titel vom Senat noch nicht zugesprochen bekommen hatte. Der Senat hingegen sah mit Unbehagen auf den Einfluss und die Macht die Manius immer mehr auf sich vereinte. Bis zu einem gewissen Grad hatten sie diesen Machtmensch ja zu verantworten und das passte den Senatoren gar nicht. Es war an der Zeit langsam gegen ihn vorzugehen.

[ Editiert von Markus Iulius am 09.06.09 20:27 ]

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

12.06.2009 11:35
#4 RE: Kapitel II: Manius Iulius, der Sieger antworten

Aber auch dieser überragende Sieg half nicht die Barbaren vom Land der Republik zu verbannen. Es begann die Zeit welche von der einfachen Bevölkerung im Nachhinein als „Zeit der ewigen Kämpfe“ genannt wurde. Manius und seine Generäle standen vor einem schwerwiegenden Problem, denn obwohl die Städte im Norden fast unentwegt belagert wurden, musste ihr Nachschub gesichert sein. Dazu kam, dass diese Städte zu den grössten gehörten und auch für den Handel enorm wichtig waren, durch die Belagerungen ging ein Grossteil dieser Einnahmen verloren und es konnten immer weniger Truppen zur Sicherung der Grenzen rekrutiert werden. Ein persönlicher Lichtblick für Manius war die Geburt seines dritten Sohnes Nero im Jahre 571 a.u.c. Schon als Manius das Kind zum ersten Mal sah, wusste er, dass dies sein Nachfolger werden würde, denn Nero trug das Phönixmal, welches auch Manius zeichnete. Kurz nach der Geburt zog Manius mit einer neu ausgehobenen Legion nach Darantasia, denn über den nordwestlichen Pass rückten riesige Mengen an Galliern und Germanen in die Republik vor. Der Höhepunkt dieser Invasion war dann im Jahre 576 a.u.c. erreicht und gipfelte unter anderem in der Vernichtung zweier ganzer Legionen und der vierten Belagerung von Patavium durch die Germanen.

Manius stand auf dem kleinen Vorplatz der barbarischen Kaserne, welche Halle der Krieger genannt wurde. Um ihn herum wurden Schwerter geschliffen und geübt. Funken stoben weit umher und sahen ein wenig aus wie kleine Sterne die aufgingen und dann wieder erloschen. Der Diktator stütze sich auf den vor ihm stehenden Tisch und schaute lange auf die Karte. Auf einmal hörte er eine Stimme neben sich, eine kindliche: „Papa, was machst du?“ Es war Nero. Lächelnd nahm Manius den Kleinen und setzte ihn auf den Tisch. „Ich glaube nicht dass du das schon verstehen .... Aber warum nicht. Schau her“, er zeigte auf die Holzfiguren welche auf den Karten standen. „Diese roten hier, das sind unsere Soldaten und die anderen sind die bösen Barbaren, die uns alles wegnehmen wollen.“ „Aber die Roten sind ja viel weniger“, meinte Nero. „Ja genau“, seufzte Nero, „ und da liegt mein Problem. Ich habe keine Ahnung wie genau ich diese ganzen Armeen aufhalten soll. Es gibt kaum mehr Legionen und wenn ich welche aus dem Süden anfordere dauert es mehrere Monate um sie hierher zu holen.“ Nero schaute ihn mit grossen Augen an, er war wohl wirklich noch zu klein. Manius setzte ihn sich auf die Schultern und rannte mit ihm nach Hause. Nach dem Abendessen brachte er den Kleinen ins Bett und studierte danach nochmals die Situation.
Am nächsten Morgen wurde ein Dekret versandt, welches den Senatoren in Rom die Haare zu Berge stehen liess: „Ich, Manius Iulius, Diktator der römischen Republik, gebe hiermit den Befehl jede Stadt um jeden Preis zu halten und sie Notfalls sogar niederzubrennen. Keine unserer Städte darf in die Hände der Barbaren fallen.“

Wie sich zeigte hatte er keine Skrupel selbst diesen Befehl durchzusetzten. Bei einem Angriff der Gallier auf Darantasia brannte er mit seinen Ballisten zahlreiche Gebäude ab und viele Bürger kamen im Flammeninferno oder dem rundum herrschenden Chaos um. Manius militärischer Erfolg liess sich indessen nicht verleugnen, denn er hatte wieder eine Armee vollkommen geschlagen ohne selbst grössere Verluste hinnehmen zu müssen.
Doch auch dieses Dekret konnte den Fall von Patavium nicht mehr verhindern. 576 a.u.c. griffen zwei germanische Armeen die Stadt an und besiegten die verteidigenden römischen Truppen und eine kleine zu Hilfe eilende Armee klar.

Aus dem Tagebuch von Iulianus Munatius, Principes des 5. Manipels der Legio I.
Wir standen auf den Mauern und sahen den anrückenden Germanen entgegen. Auf mein Manipel bewegte sich einer dieser gewaltigen Belagerungstürme zu. Wir kämpften hart, aber diese grossen Schilde... Selten einmal kam einer von uns durch ihre Deckung um dann nur an der fein gearbeiteten Rüstung aufgehalten zu werden. Es war hoffnungslos und dann erschallte auch noch das Horn, welches uns alle in die Mitte der Stadt rief. Ein Trupp hatte es geschafft sich zum Regierungssitz durchzuschlagen und wollte nun so die Macht übernehmen. Jedes Manipel nahm seine Beine in die Hand und rannte so schnell es konnte zum zentralen Platz. Viele verloren dabei ihren gesamten Zusammenhalt und das Ganze kam einer Flucht gleich. Aber die Gegner waren sowieso schon viel zu zahlreich und wir konnten nichts mehr machen. Als ich das erkannte und auch viele andere in meiner Einheit, versteckten wir uns in einer nahe gelegenen Hütte oder einem Haus. Im allgemeinen Chaos ging das gut. Ich erwischte einen privaten Stall und legte so schnell wie möglich meine Rüstung und alles ab, was mich als Principes kennzeichnete. So wartete ich das Ende ab. Aber zu meinem Entsetzten begann das Grauen erst. Ströme von Blut flossen, jeder vierte Römer in der Stadt wurde augenblicklich geköpft. Die Germanen hatten ihre Freude daran. Trotz all meiner Vorsichtsmassnahmen erkannten sie mich schlussendlich als Legionär. Ich hatte Glück, denn ich war der letzte noch Lebende Soldat und wurde zu Manius geschickt. Sie sagten ich solle ihm ausrichten, das dies nur der Anfang ihrer Rache sei. Er habe zu lange den heiligen Boden von Iuvavum entweiht und es sogar gewagt die römischen Götter darauf anzubeten. Ich gestehe, ich weiss nicht ob mein Los das bessere ist, oder ob nicht vielleicht die Toten es besser haben. Immerhin sie haben das Ende des Krieges gesehen.


Es ging in diesem Stil weiter, wobei Patavium noch das eine oder andere Mal die Seiten wechselte. Hauptsächlich war dann Darantasia in den Alpen belagert, aber auch sonst wurden immer wieder Scharmützel ausgetragen. Dann aber kam es zum grossen Bruch.

580 a.u.c. Mediolanum

Appius ging durch die Gärten seines erst seit kurzem fertiggestellten Palastes und freute sich an der Schönheit des ganzen. Der Palast glänzte im Licht der Mittagssonne und auf den Wasserläufen im Garten spiegelten sich die Menschen und Pflanzen. Die Blumen verströmten betörende Düfte und vernebelten teilweise die Sinne. In einer kleinen Laube liess sich Appius auf eine steinerne Bank nieder und dachte ein wenig nach. Vor wenigen Wochen war nahe Mediolanum eine Schlacht ausgetragen worden in der er eigentlich als Unterstützung hätte teilnehmen müssen. Es hatte aber schon die ganze Woche geregnet und er kam mit seiner Legion nicht so schnell voran, wie eigentlich gedacht. So musste Decius Iulius die Schlacht alleine schlagen. Zwar hatte Decius die Schlacht gewonnen, aber was Appius so gehört hatte war Manius gar nicht erfreut darüber, dass die zweite Legion nicht am Gefecht hatte teilnehmen können. So schweiften seine Gedanken zu Manius, seinem alten Freund. Das Volk verehrte und fürchtete ihn gleichermassen. Sein Dekret zur Auslöschung ganzer Städte war nicht sonderlich gut angekommen. Sowieso hatten sich er und Manius ein wenig entfremdet. Was ihn, Appius, betraf, er wollte noch immer ein guter Freund von Manius sein, aber dieser hatte nun wohl mehr Freude an seinen Söhnen und zeigte sich kaum mehr in Mediolanum. Das war ja nicht weiter schlimm, aber eben, der Ruf des Manius hatte sich geändert und obwohl er noch immer von Sieg zu Sieg schritt und immer noch der Sieger genannt wurde, hatte sein Ansehen als Volksheld stark gelitten. Appius hingegen hatte in den letzten Jahrzehnten so gut wie nie an irgendwelchen Kämpfen teilnehmen müssen und hatte sich ganz auf die Verwaltung der Provinz Alpes Cottiae konzentrieren können. Er hatte immer geschaut, dass es den Bürgern gut ging und das hatte ihn beliebt gemacht. Er war nicht mehr nur das Anhängsel zu Manius sondern auch ein grosser Staatsmann geworden.
Eilige Schritte schreckten ihn hoch. Ein Diener kam rennend näher und sagte keuchend: „ Herr, ihr müsst fliehen. Manius ist hier mit seinen Söhnen und vier Manipeln Triarii.“ Appius konnte auf diese Meldung nichts Antworten. Eine gewaltige Furcht ergriff von ihm Besitz und wollte ihn nicht mehr loslassen. Wenn Manius mit einem solchen Aufgebot herkam, konnte das wirklich nichts gute bedeuten. Trotzdem fliehen würde nichts bringen. Er erhob sich, liess seine Toga neu ordnen und schritt erhobenen Hauptes auf den Palast zu. Noch bevor er ihn erreicht hatte, ja bevor er die Terrasse erreicht hatte, die dann in den Garten führte, öffneten sich die bronzenen Tore des Palastes und die Triarii strömten heraus. Sie umstellten die Terrasse und geleiteten Appius auf die Terrasse. Nach den Triarii kamen Manius und seine drei Söhne aus dem Innern des Palastes. Manius war alt geworden und sichtlich ergraut. Wie fast immer trug er eine Rüstung und einen Soldatenmantel und seine Söhnte sahen kaum anders aus. Sogar der Jüngste kam schon daher, als ob er ein Feldherr wäre. Appius fiel der Phönix auf der Brustplatte von Nero auf, der auch diejenige von Manius zierte und ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf: „ Er hat doch nicht wirklich vor diesen Jungen als seinen Nachfolger zu benennen?“ Manius Stimme verscheuchte den Gedanken ebenso schnell wie er gekommen war. „Appius Livius, Kommandant der Legio XI und Statthalter von Mediolanum und der Provinz Alpes Cottiae ihr seid des Hochverrats an der iulischen Familie angeklagt indem ihr leichtfertig das Leben des Decimus Iulius aufs Spiel gesetzt habt und nicht zur Schlacht in eurer Provinz erschienen seid. Dies ist gleichsam ein Verrat an eurem Diktator und sollte mit allergrösster Härte bestraft werden. In Anbetracht eurer Verdienste und der Freundschaft die es einmal zwischen uns gegeben hat, verurteile ich euch zum Ruderdienst auf einer Bireme. Ihr werdet von einem Manipel Triarii nach Genua geleitet wo ihr auf ein Schiff gebracht werdet, der Kapitän ist bereits unterrichtet worden. Die Amtsgeschäfte von Mediolanum wird mein Sohn Decimus Iulius übernehmen.“ Mit jedem Wort war Appius weisser geworden im Gesicht. So etwas hatte er in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Das Exil vielleicht aber sicher nicht sowas. Er fiel auf die Knie und schaute mit leerem Blick seinem ehemaligen Freund nach, der in den dunklen Türöffnung des Palastes verschwand.

584 a.u.c. Darantasia

Es war dunkel in dem Zimmer nur einige wenig Öllampen verbreiteten ein flackerndes Licht. Es roch nach Weihrauch, die Luft war heiss und stickig und es war äusserst mühsam zu atmen. Nero bewegte sich Schritt für Schritt auf das Bett in der Mitte des Raumes zu, wo sein Vater lag. Manius hatte ihn rufen lassen und es schien als ob es zu Ende ging mit seinem Leben. Nero setzte sich auf den Rand seines Bettes und schaute das Gesicht des Diktators an. Es war von Krankheit gezeichnet und abgemagert. Ein raues Flüstern unterbrach die herrschende Stille: „Nero, mein Sohn. Es ist an der Zeit dich einzuweihen. Im nächsten Monat wirst du volljährig aber das wird wohl zu spät sein. Ich werde dann kaum mehr leben und dich zum Nachfolger bestimmen können. Du musst wissen, dass dich die Götter gezeichnet haben und ich schon bei deiner Geburt wusste, dass du mir eines Tages als Kopf der Iulier folgen würdest. Wir sind von den Göttern gesegnet, mein Sohn. Als Rom gegründet wurde, gab es eine Prophezeiung die besagt, dass ein Mensch kommt, welcher ein Weltreich aufstellen wird. Dies ist mir sicher nicht gelungen, aber dennoch haben mich die Priester des Appollon als den Auserwählten erkannt. Die Ströme von Blut die fliessen sollen konnte ich sicher liefern, den Rest aber eher nicht erfüllen.“ Manius hustete gequält und spuckte ein wenig Blut aus. „Ich hinterlasse dir nicht viel. Ein Reich mit leerer Staatskasse, einige wenige Legionen und viele Feinde inklusive dem Senat, vergiss das nie. Da auf dem Tisch liegen noch ein paar wenige Anweisungen an dich, aber sie haben Zeit. Jetzt will ich dir noch zwei Dinge mitteilen. Erstens, es gibt eine neue Form der Legion die ich bisher geheim gehalten habe. Ich konnte sie schon ein, zweimal ausprobieren und sie hat sich durchaus bewährt. Die Manipellegion hat ausgedient, die Kohortenlegion ist wesentlich flexibler aber du wirst schon sehen.
Zweitens, hinter Darantasia gibt es einen kleinen versteckten Weg, tief in die Alpen hinein. Etwa zur gleichen Zeit wie ich in Capua den Bau des Statthalterpalastes angeordnet habe, wurden dort die Arbeiten an einem riesigen Grabkomplex aufgenommen. Jeder Anführer der Iulier, soll ab jetzt dort begraben werden. Der Eingang wird von zwei Appollonstatuen bewacht, die direkt aus dem Stein gehauen wurden. Das Grab selbst ist nach ägyptischen Vorbild gebaut einfach mit weniger Wandmalereien. Nur wenige wissen von dem Grab und das ist gut so. Unsere Körper sollen verschwinden und nicht mehr aufzufinden sein. Der Senat darf nicht wissen wo sie sind, ansonsten könnte er unserem Ruf grossen Schaden zufügen. Ach bevor ich es vergesse, verlass die Stadt. Diese Krankheit ist nur der Anfang eines Angriffs der Germanen auf Darantasia. Sammle deine Kräfte in der Ebene und erobere Darantasia zurück.“ Wieder ein Husten. Das ganze Reden strengte den Diktator ziemlich an und Nero erhob sich. „Ich werde dein Werk fortführen, Vater“, flüsterte er. Dann ging er zu dem Tisch auf welchem drei Dekrete versiegelt lagen, nahm diese und schlich aus dem Zimmer.
In seinen eigenen Räumen öffnete er das erste Dekret: Mein Sohn. Dies sind die Anweisungen dafür, was geschehen soll, wenn ich tot bin. Der Senat hat mir schon vor einiger Zeit den Titel: Der Sieger offiziell zugesprochen, er soll an meinem Todestag veröffentlicht werden. Anschliessend soll mein Körper in die Grabanlage gebracht werden. Kein grosser Pomp. Es wird dort ein paar Priester haben die die Zeremonie durchführen werden. Sei am Tag meines Todes auf alles gefasst...

Zwei Wochen nach dem Gespräch war Nero auf einer Inspektion der Wachen als sich der Himmel verdunkelte. Die Wolken die aufzogen verdeckten das Licht der Sonne so vollkommen, dass man meinen könnte es werde Nacht. Ein Zittern lief durch den Boden bevor er sich wirklich aufbäumte und jeden in Angst und Schrecken versetzte. Das Erdbeben war nur von kurzer Dauer und beschädigte absolut nichts, obwohl es relativ stark gewesen war. Dafür kam ein Sturmwind auf der durch die Gassen fegte, Tische umstürzte und heilloses Chaos anrichtete. Dann begann es zu regnen wie es noch nie geregnet hatte gleichzeitig blitze und donnerte es und alle Blitze gingen an den gleichen Ort, einem Haus in der Stadt selbst; dementsprechend laut waren auch die Donner. Das Haus begann aber nicht zu brennen. Als fünf Blitze zur gleichen Zeit in das Haus einschlugen warf die Schallwelle jeden um der noch auf der Strasse war. Nero, der gerade auf den Mauern war wusste nur zu gut welches Haus es war, nämlich jenes in welchem sein Vater seine letzten Stunden verbrachte. Aber auch Nero wurde niedergeworfen und als er durch den Regen hindurch wieder zum Haus blickte sah er eine kleine Kugel aus reinem Licht in die Wolken emporsteigen. Was mit dem Körper seines Vaters geschehen sollte hatte er schon vor einigen Tagen an ein paar vertrauenswürdige Legionäre gemeldet. Er wusste, nun musste er weg aus Darantasia. Er rannte zum Stall, nahm ein Pferd und preschte aus der Stadt heraus.

Über den Wolken erwarteten ihn die fünf Götter. Sie nickten Manius zu, der wieder in der Gestalt eines sechzigjährigen war. Er fühlte sich auch so und er kniete nieder vor den Göttern. Minerva sprach: „ Du hast den Grundstein gelegt. Dir sei Lob und Dank. Mein Spruch ist erfüllt: Fons et origo.“

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