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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Rome Total War - Kampagnengeschichte "Ex flammis orior"
Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

14.09.2008 18:31
RE: Kapitel I: Die Prophezeiung antworten

Kapitel I: Die Prophezeiung

538 a.u.c. In der Nähe von Messana

Alles war verschwommen, schwarze und graue Schlieren zogen über seine Augen. Nur nach und nach klärte sich sein Blick und zeigte geschwärzte Balken und graue Asche. Tageslicht fiel in den Raum der einmal der Haustempel der Villa gewesen war, aber es schien seltsam gedämpft. Manius versuchte sich, trotz bleierner Glieder, zu bewegen, aber ein grosser Holzbalken liess das nicht ohne weiteres zu. Er konnte sich zwar knapp hochstämmen, aber sich so unter dem Balken hervor zu bewegen war ein mühsames Unterfangen. Mehr als einmal stiessen ihm Holzsplitter in den Rücken und verursachten höllische Schmerzen.
Stunden später, so schien es ihm, konnte er sich gegen eine Wand lehnen und erschöpft die Augen schliessen. Fast sofort schlummerte er ein. Er träumte von grossen Siegen, riesigen Armeen, die sich übers Land bewegten und Städte in Schutt und Asche legten. Er sah sich in glänzender Rüstung dem Senat vorsitzen und alle hörten ihm zu.
Grosse Regentropfen weckten ihn aus seinem tiefen Schlaf. Als Manius hoch schaute, konnte er erkennen, wie der Vulkan noch immer eine dichte Rauchwolke in den Himmel stiess. Es schien, als ob dieser Rauch alles Licht zu verschlucken drohte. Langsam stand er auf und stieg über die Holzbalken hinweg zur Tür. Er trat ans Geländer der Veranda und schaute in den Innenhof hinab. Alles war voller grauer Vulkanasche, der Boden liess sich nirgends mehr erkennen. Als er das Geländer berührte, zerbröselte unter seinen Fingern. Hastig machte er ein paar Schritte zurück an die Wand.
An der Wand entlang schob Manius sich auf die steinerne Treppe zu, die in das Erdgeschoss führte. Durch die grosse Hitze, die während dem Brand entstanden war, waren die Steinplatten gesprungen und der Regen und der Staub machten die Treppe zu einer schlüpfrigen und gefährlichen Angelegenheit. Schritt für Schritt ging Manius die Stufen hinunter. Kein Geräusch war zu hören ausser dem leisen Aufprall der Regentropfen. Auf der zweit untersten Stufe rutschte der Junge trotz aller Vorsicht aus und schlug hart auf dem gekachelten Boden des Innenhofs auf. Asche wirbelte auf und legte sich auf ihn, während er benommen liegen blieb. Als er die Besinnung wiedererlangt hatte, stand er auf und wollte seine Hände an der zerschlissenen Tunika abwischen. Dabei fiel sein Blick eine Stelle an der linken Hüfte, welche nicht mehr vom Stoff bedeckt war. Darunter schaute eine Narbe hervor. Sie hatte die Form eines Vogels der aus Flammen aufstieg. Er betastete die Stelle noch ein wenig, aber sie schmerzte nicht oder hob sich sonst irgendwie von seiner normalen Haut ab. Mit einem Schulterzucken ging er auf den Eingang des Hauses zu. Draussen erwartete ihn ein weites Meer von grau, alles war bedeckt mit dem durch Regen klebrig gewordenen Staub. Auch hier gab es keinerlei Anzeichen von Leben und so machte er sich auf in Richtung Messana

Niemand begegnete ihm auf dem Weg. Das Land war eine graue Wüste in welcher sich kein Grashalm oder Gestrüpp zeigte. Die einzigen Markierungen waren verbrannte, tote Bäume, die ihre schwarzen Äste in den Himmel streckten und Flüsse die aber eher einem träge dahinfliessenden Schlamm glichen als einer lebensspendenden Ader.
Der Himmel wurde noch immer von einer dunklen Aschenwolke des Aetna bedeckt, doch genau diese Wolke hielt auch die Wärme auf der Erde zurück und Manius musste in der Nacht nicht frieren. Trotzdem schlief er nicht gut, träume plagten ihn. Er sah Rom brennen, Barbaren durch die Strassen rennen und die Kanalisation führte keine Abwässer mehr, sondern Flüsse aus Blut. Nach diesen Träumen wachte er stets schweissgebadet auf und konnte nicht mehr einschlafen. Nach fünf mühsamen Tagen konnte er endlich Messana ausmachen.

Es war eine kleine Stadt, nicht mal eine Palisade war rundherum gebaut worden, geschweige denn ein richtiger Steinwall. Die Häuser hatten sogar teilweise noch Strohdächer. Zwar war die Statthaltervilla prächtig geschmückt und kündete vom Ruhme Roms, aber ansonsten war der Ort doch eher zurückgeblieben. Manius schleppte sich in die engen Gassen der Häuser und war erstaunt. Entgegen der sonstigen ruhigen Lebensweise der Leute war heute alles in heller Aufregung. Jemanden in diesem heillosen durcheinander zu finden war praktisch unmöglich.
Hungrig wie er war suchte er nach etwas zu essen. Er schlich sich auch in offensichtlich bereits verlassene Häuser. Die Menschen hatten ihre Behausungen oft in grosser Eile verlassen und so war oft noch eine Ecke Brot oder eine Schüssel Puls übrig. Zwar war das ein sehr einfaches Mal, aber Hunger ist bekanntlich der beste Koch. Manius verschlang das Essen mit einem Heisshunger der ihn selbst erstaunte. Je weiter er in das Ortsinnere vordrang, desto dichter wurde das Gedränge auf der Strasse. Das war ziemlich ungewohnt für ihn, denn bisher hatten immer alle für ihn Platz gemacht. Der Respekt vor den bewaffneten Begleitern und seiner Familie war immer genug gross gewesen, um die Leute auf die Seite springen zu lassen. Manius drückte sich in eine Seitengasse um der Menschenmasse zu entkommen. Dort war weniger los und man konnte ohne sich ohne Probleme zwischen den Menschen durchschlängeln. Er hatte noch immer keinen Schimmer, warum alle so in Aufregung waren. Er kam an einer Metzgerei vorbei, wo alles in grosser Hast liegen gelassen worden war. Fleischstücke lagen noch auf den Tischen herum und Blut lief von denselben herab. Manius ging schnell weiter, er brauchte neben seinen Träumen nicht auch noch den Geschmack von Blut. Während er so durch die Gassen lief musste er sich immer wieder an die Wände drücken um vorbei hastenden Leuten Platz zu machen. Je weiter er sich dem zentralen Platz näherte, desto prächtiger wurden die Häuser. Hie und da begegnete er auch einem kleinen Park, eher einem grossen Garten mit Statuen und einem kleinen Brunnen. So lief Manius gerade an einen Schrein des Jupiter heran. Der Schrein stand an einer Kreuzung zu einer grösseren Strasse. Ohne sich davon beirren zu lassen, kniete er nieder und begann zu beten. Dabei schaute er dem Gott direkt ins Gesicht, etwas, das er bisher nie gemacht hatte. Er nahm den Adler auf der rechten Hand und die drei Blitze in der linken Hand nur am Rande wahr. Die Blumen zu den Füssen des Gottes dufteten betörend und der Weihrauch in den kleinen Opferbecken vernebelte die Sinne. Er verharrte einige Zeit vor der Statue, betete, während hinter ihm die Leute vorbei liefen. Er dankte den Göttern und vor allen den fünf die ihn errettet hatten.
Anschliessend ging Manius die grosse Strasse entlang auf den zentralen Platz zu. Auf diesem hatten sich die Soldaten der Stadtwache eingefunden. Ihre Mäntel flatterten ganz leicht im Wind der durch die Strassen fegte. Es mussten an die 600 Soldaten sein die dort versammelt waren. Für Manius jedenfalls war es eine riesige Masse. Noch nie hatte er so viele Krieger auf einem Platz versammelt gesehen. Ihm wurde bewusst, dass er keinerlei Ahnung hatte, was das Wort „Legion“ wirklich bedeutete. Er schaute zu, wie die Offiziere Anweisungen gaben und die Soldaten sich im Gleichschritt in Bewegung setzten. Beeindruckt verfolgte Manius die militärische Präzision und als sich die letzten Soldaten dann vom Platz bewegten folgte er der Schar hinunter zum Strand. Es blies ein stürmischer Wind vom Meer her und die Biremen schaukelten unruhig auf den Wellen. Während die Soldaten über die Stege an Bord der stablilen Schiffe gingen mussten die Bürger von Messana auf kleineren Schiffen übergesetzt werden. Manius setzte sich erstmal in den Sand. Eine bleierne Müdigkeit hatte seine Glieder überfallen. Nur noch wenige Leute kamen von der Stadt her. Es dauerte doch eine Weile bis alle Soldaten an Bord der Schiffe waren. Dann durften die Bürger an Bord der Schiffe, aber es war nicht viel Platz. Ein riesiges Gedränge ging los und Manius blieb da lieber sitzen. Auf einmal wunderte er sich jedoch. Warum bei Jupiter, wurde die Stadt evakuiert? Er rappelte sich auf und stellte eben diese Frage an einen der letzten Soldaten, die noch am Strand waren um die Ordnung aufrecht zu erhalten. „Junge von wo kommst du? Eine gewaltige griechische Armee ist im Anmarsch. Der Statthalter hat zusammen mit Claudia, der Frau des Vibius Iulius entschieden, dass Messana evakuiert werden soll.“
Manius Herz setzte einen Moment aus. „Claudia? Wo ist sie jetzt?“ Der Soldat legte den Kopf schief und schaute Manius an. „Warum..... Dort kommen sie.“ Er deutete zur Stadt hin. Man konnte ein paar schwarze Pferde ausmachen, die schnell näher kamen. Als die Gruppe genug nah war, konnte Manius seine Mutter erkennen. Sie war von den Leibwachen umgeben und ritt neben dem Statthalter.
Manius rannte hin und wurde sofort von den Reitern aufgehalten. „Mutter, Mutter!“ rief er. Claudia drehte ihm sein Gesicht zu und schaute ihn direkt an. Ihr Gesicht zeigte Verwirrung. „Tut mir Leid, aber ich kenne dich nicht. Ich habe keinen Sohn.“

[ Editiert von Markus Iulius am 14.09.08 18:33 ]

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

13.11.2008 22:03
#2 RE: Kapitel I: Die Prophezeiung antworten

Die Reiter zogen an Manius vorbei. Völlig ungläubig starrte er ihnen nach. Dann gaben seine Beine nach, er stürzte in den Sand. Während der Wind auffrischte, bestieg seine Mutter eines der Boote, die sie zu den Biremen brachte. Kaum waren sie und der Statthalter an Bord, da stiegen die riesigen Segel und die Schiffe verschwanden langsam aus dem natürlichen Hafen.
Währenddessen waren nur noch wenige Bürger am Strand. Es gab nur noch zwei Boote, die aber alle diese Leute aufzunehmen vermochten. Ohne es richtig zu bemerken ging er zu einem der Boote und stieg hinein. Es war eher ein altes Boot, aber die Planken waren weder faul noch morsch. Der Fischer, dem das Boot gehörte stiess es ins Wasser. Ganz leicht schaukelte es im Wellengang. Zuerst war noch Knochenarbeit angesagt, denn aus der Bucht heraus musste das Boot gerudert werden. Draussen auf hoher See wurde dann das einzige Segel gehisst und man nahm rasch fahrt auf. Der Fischer schaute hin und wieder besorgt zum Himmel. Er war von bleiernem Grau und es waren keine Aschenwolke. Der Wind blies immer stärker. Die Kinder die an Bord waren klammerten sich an ihre Mütter. Manius sass neben einem Jungen der in demselben Alter wie er selbst war, er merkte nichts davon. Nichts war noch von Bedeutung für ihn. Er bemerkte auch nicht, wie die Wellen immer grösser wurden. Um sie herum war nur noch Wasser. Es begann zu blitzen, einer folgte auf den anderen. Die Donner jagten sich gegenseitig und einer war lauter als der andere. Weit weg konnte man das kleinere der beiden Boote sehen. Es schwankte derart stark, dass es nicht mehr lange dauern würde bis es kenterte. Wieder ein Blitz, diesmal ganz nah. Das Gewitter zog über sie hinweg. Nach dem Ausbruch des Ätna auch noch das. Die Götter schienen die Leute von Messana verlassen zu haben. In der Zwischenzeit weinten die Kinder, die Angst stand in ihren Augen. Ein weiterer Blitz, ein ohrenbetäubendes Krachen. Für eine gute Minute waren alle auf dem Schiff blind, alle schrien durcheinander, es wurde warm. Als man langsam wieder etwas sehen konnte, sah man den Mast brennen. Viele Menschen sprangen über Bord, hofften sich schwimmend vom Sturm zu retten. Manius blieb sitzen. Er nahm immer noch nichts wahr von dem, was um ihn herum geschah. Er sass weit hinten im Boot, war den Wellen und dem Wasser weit stärker ausgeliefert gewesen als andere Leute auf dem Boot und so merkte er auch nicht wie das Schiff brannte und dann, langsam mit salzigem Meerwasser vollzulaufen begann. Einige Stücke des Bootes waren abgebrochen und trieben nun als verkohlte Überreste auf dem Wasser. Als das kalte Wasser endlich Manius Füsse berührte wachte er aus seiner Trance auf, sah alles wieder, nahm alles wahr. Auch er sprang nun über Bord und schwamm zu einem Teil, das wohl zum Mast gehört haben mochte. Er hielt sich daran fest. Eine Stunde mochte er so getrieben sein, dann hörte er von weit her einen Hilferuf. Manius sah sich um und sah einen Kopf auf den Wellen hüpfen. Ohne nachzudenken padelte er darauf los, immer bedacht, das Stück Holz nicht loszulassen. Er kam zu dem Kopf, es war der Junge der neben ihm gesessen hatte. Mit letzter Kraft hielt sich der Junge an dem treibenden Holz fest.

538 a.u.c. Festland, Capua, Palast des Diktators

Um einen runden Tisch versammelt standen die drei grössten Feldherren der kaum mehr vorhandenen römischen Armee. Auf dem Tisch lag eine Karte Italiens und kleine Fahnen stellten die römischen Truppen dar. Der Diktator Flavius Iulius begann zu sprechen. „ Die Lage ist prekär. Von unseren ehemaligen 20 Legionen sind nur noch drei übrig, von Norden her bedrohen uns die Gallier und in Callabria und Brutium stehen drei Heere Karthagos welche nur darauf warten gegen Norden zu stürmen um die römische Welt zu erdrücken. Der Senat hat uns ausserdem nur sehr wenig Geld hinterlegt, so dass wir keine neuen Legionen ausheben können. Vibius du gehst in den Norden und sicherst so gut wie möglich die Grenze. Wenn Genua fällt dann soll es halt sein, aber Arminium und Arretium müssen bestand haben. Errichte ausserdem einen Wachturm. Quintus du führst deine Legion in den Süden, ich werde mit meiner Legion folgen. Zusammen werden wir die Karthager hoffentlich doch noch schlagen können.“ Die beiden Generäle nickten und verabschiedeten sich. Falvius Iulius winkte einen Diener herbei. „Der Quästor soll veranlassen, dass die Steuern angehoben werden. Wir brauchen dringend Geld. Ausserdem soll sich die Legion bereitstellen. Wir ziehen aus.“ Der Diener verbeugte sich und verschwand. Flavius beugte sich über den Tisch. Seine Augen suchten die Grenzen des römischen Reiches ab. Hoffentlich hielten sie...

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

14.11.2008 21:49
#3 RE: Kapitel I: Die Prophezeiung antworten

538 a.u.c. Feldlager der nördlichen Legion

Vibius Iulius sass in einem Zelt. Bisher hatten sich die Gallier nicht gross gerührt, aber das konnte sich ja jeden Moment ändern. Er nahm den tönernen Kelch und trank einen grossen Schluck von dem Wein. Ein halbes Jahr befand er sich nun schon hier. Es wurde langsam kalt, der Winter kam. Vor ein paar Wochen kam ein Bote mit der Nachricht, dass Genua an die Gallier gefallen war. Nun ja das war zu verkraften. Wie Flavius schon gesagt hatte, war sie keine wichtige Stadt, aber Reghion war an Hannibal gefallen. Das war doch schon ein wichtigerer Punkt, denn in Reghion hatten eigentlich die Flüchtlinge aus Messana landen wollen. Was war wohl aus seiner Frau geworden? Er ging hinaus. Sein Blick wanderte über die beinahe endlosen Reihen von Zelten. Immerhin hatten sie genug zu essen und dank der erhöhten Steuer war auch der Sold gesichert. Aus dem Augenwinkel sah er, wie sich das Tor des Forts öffnete. Ein Reiter galoppierte hinein und kam kurz vor Vibius zu stehen. „Herr, eine gallische Armee ist im Anmarsch, sie hält auf Arretium zu.“ Also war es endlich soweit. „Blast zum Auszug. Der Kampf steht bevor.“ Während die Hörner den Auszug aus dem Lager verkündeten legten ihm Sklaven die Rüstung an. Sein weisses Ross wartete schon vor dem Zelt auf ihn. An der Spitze der Marschkolonne ritt Vibius mit seiner Leibwache auch die Schlacht zu.
Am nächsten Tag war es soweit. Die Sonne schien und es war ein recht warmer Tag. Die römische Legion wartete schön in Reih und Glied bis die Gallier näher gekommen waren.



Auf ein Zeichen hin preschte die Kavallerie nach vorne und versetzte die gegnerischen Plänkler in Aufregung. Zum Kampf kam es dann aber zuerst an der rechten Flanke, wo ein doch ziemlich erheblicher Teil des Feindes in die römischen Truppen gekracht war.



Die Kavallerie schwenkte ab und schon bald flüchteten die ersten Gallier vom kombinierten Druck der römischen Soldaten. Aber das war nur eine einzige Einheit und der Kampf hatte sich nun auf die gesamte Länge der Schlachtlinie ausgebreitet.



Ein brutales Hauen und Stechen nahm seinen lauf in welchem keine Seite so richtig Oberhand gewinnen konnte.



Erst als die Triarii in den Kampf mit dem gegnerischen General eingriffen, wendete sich das Blatt zugunsten der Römer.



Nach dem Tod ihres Kriegsherren verloren alle Gallier den Mut zum kämpfen und nahmen die Beine in die Hand.



Auf Befehl von Vibius Iulius hin wurden die Flüchtenden verfolgt und so gut wie möglich niedergemacht.




Vibius überschaute das Schachtfeld. Ein grosser Sieg war errungen, beinahe 2000 Gallier hatten an diesem Tage sterben müssen, aber leider waren auch 600 gute römische Bürger gefallen. Vibius nahm seinen Helm ab und gab das Zeichen zum Rückzug. Viel Zeit würden sie nun nicht haben. Der andere Einfallsweg nach Italien, der von Genua her, musste nun gesichert werden. Noch einmal blickte er zurück. Die Körper waren auf riesigen Bergen zusammengetragen und angezündet worden. Der Kopf des Kriegsherren und die seiner Hauptmänner waren auf Speere gespiesst und rundherum aufgestellt worden. Die Flammen würden noch Meilenweit zu sehen sein.

239 a.u.c Griechenland

Der Wagen rumpelte über die Strasse hinauf in die Berge. Viele Schlaglöcher machten die Reise zur regelrechten Qual. Manius und Appius taten schon alle Knochen weh von der unbequemen Fahrt. Beide brüteten vor sich hin. Manius hatte begonnen, mit dem Schicksal und den Göttern zu hadern. Warum hatten sie all diese schrecklichen Dinge geschehen lassen? Appius hingegen liess die letzte Zeit nochmals Revue passieren.
Damals in dem schrecklichen Sturm waren sie lange im Meer getrieben. Erst als die Sonne zögerlich ihre Strahlen über den Horizont reckte hatten sich die Winde gelegt und das Wasser sich beruhigt. Nicht weit von ihnen konnten die beiden treibenden Jungen nun einige Schiffe ausmachen. Schlanke, schnelle Schiffe. Sie hatten gelacht über die glückliche Fügung, aber nicht lange. Kaum waren sie an Bord, hatten sie feststellen müssen, dass sie Piraten in die Hände gefallen waren. Diese liessen sie an Deck arbeiten, während sie immer weiter in den Osten segelten. Trotz ihres Loses waren die beiden fasziniert von dem Alltag auf dem Schiff. Wie die Seemänner die Segel handhabten, wie der Steuermann den Kurs nach den Sternen berechnete. Das Essen war nicht speziell aber sicher auch nicht schlecht. Appius fand, eigentlich behandle man sie ganz gut, aber Manius wollte da nicht zustimmen. Er dachte noch immer an die Villa am Fusse des Ätna, an die Wachteln und die Diener. Doch auch er konnte sich der Faszination der Schiffe nicht entziehen. Einmal, sie waren gerade etwa zwei Wochen in Gefangenschaft, wurden sie unter Deck gebracht und eingeschlossen. Durch eine kleine Öffnung sahen sie, wie sich eine römische Flotte näherte. Sie hofften darauf, dass die Römer siegreich wären und sie von dem Joch befreiten. Diese Hoffnung löste sich aber bald in Wohlgefallen auf. Später dann, als wieder Land in Sicht kam, wurden sie erneut unter Deck angekettet. Man hörte nur noch das Trampeln der nackten Füsse an Deck,wenn wieder eine Kurskorrektur vorgenommen wurde. Dann waren Rufe zu hören, und ein leichtes schaben. Das ewige schaukeln des Schiffs hatte ein Ende.
Licht fiel durch die Luke, als diese geöffnet wurde. An den Armen wurden sie herausgeschleppt, weisse Gebäude blendeten sie. Steinerne Landungsstege ragten ins Wasser. Für Appius und Manius, welche beide noch nie einen richtigen Hafen gesehen hatten, kam das Geschäftige treiben rund um die Stege herum vor, wie eine andere Welt. Rufe schallten über das Wasser, Ladungen wurden gelöscht und neue Waren auf Schiffe gebracht. Lange konnten sie den das Treiben nicht geniessen. Die Piraten schleppten sie durch schmale Gassen hindurch. Diese Gassen standen in starkem Kontrast, zu den sauberen weissen Mauern vom Hafen. Hier war alles schmutzig. Bettler kauerten an Hausmauern, Kinder jagten sich gegenseitig und spritzten dabei Schlamm auf. Nach einiger Zeit in dieser Gegend erreichte die Gruppe den Sklavenmarkt..
Dort standen sie in der brütenden Sonne, sahen die Leute vorbeigehen. Alles Barbaren, dachte Manius, kein einziger schien hier zum Barbier zu gehen. Rundherum wurde gefeilscht und die Ware angepriesen. Natürlich waren sie nicht die beiden einzigen Sklaven, die die Piraten gefangen hatten. Die anderen waren alle älter und kräftiger gebaut als die Jungen und gingen daher schneller weg. Dann öffnete sich eine Gasse in der Menschenmenge. Ein kleiner Trupp Bewaffnete und einige Priester bahnten sich ein Weg durch die Leute. Sie blieben vor dem Podest der Piraten stehen und schauten die verbliebenen Sklaven an, diskutierten und schauten wieder. Einer der jüngeren und niederen Priester stieg auf das Podest und schaute sich die Ware genauer an. Auch Manius und Appius mussten die Tortur über sich ergehen lassen. Mit einem Sprung wollte der Priester das Podest wieder verlassen, dabei trat er aber auf seine Tunika, stolperte und fiel Kopfüber von der Holzkonstruktion. Die beiden Jungen konnten sich ein Grinsen kaum verkneifen. Mit wütender Mine stand der Priester auf, warf den beiden einen giftigen Blick zu und sprach ein paar Worte mit den älteren Priestern. Diese nickten und winkten den Piraten herbei, der den Verkauf abwickelte. Wieder begann ein ewiges Gefeilsche, dann wurden Appius und Manius losgekettet. Nur sie beide durften den Priestern folgen. Sie mussten in den Käfigwagen steigen, in welchem sie eben jetzt auch sassen und die lange Reise begann. Zwischendurch fragte Appius einen der Soldaten wohin es denn gehe. Der Krieger schaute nicht hin, er sagte nur: „Delphi.“

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

15.11.2008 23:22
#4 RE: Kapitel I: Die Prophezeiung antworten

239 a.u.c. Paestum

Quintus Iulius und Flavius Iulius sassen in der Villa des Statthalters und genossen ein Becher Wein. Der Wein war fruchtig und schwer und hatte eine tiefrote Farbe. „Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht Flavius, wir haben keine Ahnung wo sich Theophanes und seine Söldnerarmee aufhalten. Hannibal hat Reghion eingenommen. Auch die Verstärkung der evakuierten Truppen aus Messana konnten das Ergebniss nicht verhindern. Bei Jupiter wir haben dort beinahe 1500 Männer verloren, die getöteten Zivilisten nicht mitgerechnet. Ich bin mir nicht mehr sicher Flavius. Sechzehn Legionen haben wir bei Cannae verloren, Sechzehn! Wie können wir da mit unseren zwei kümmerlichen Legionen etwas gegen dieses Monstrum von Hannibal etwas ausrichten?“ „Vielleicht können wir nichts gegen die Karthager ausrichten, aber wenn wir es nicht versuchen, werden wir es nie erfahren und die römische Welt wird garantiert untergehen. So haben wir eine geringe Chance unser Land zu retten.“ Quintus nickte müde. Er hatte irgendwie erwartet, dass Flavius dieses Argument bringen würde. „Also dann, ich führe meine Legion zum Pass, ich hoffe du wirst rechtzeitig eintreffen, alleine können wir weder die eine noch die andere Armee besiegen, das weisst du.“ Flavius schaute zu Boden und rührte sich nicht. Mit einem schnauben verschwand Quintus aus dem Raum.
Und so geschah es. Theophanes Armee wurde am Pass gestellt.



Tatsächlich waren die beiden Legionen derart gut aufeinander abgestimmt, dass sie beinahe gleichzeitig auf dem Schlachtfeld eintrafen. Quintus befahl der Legion geordnet Vorzurücken. Die Velites schickte er dabei auf die linke Flanke, um die Elefanten aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sie allzu grossen Schaden anrichten konnten. Die beiden Equiteseinheiten wurden direkt vorgeschickt um die lästigen Numidier auf ihren Pferden zu dezimieren.



Auf der linken Flanke schien der Plan aufzugehen. Während sich die Legion des Flavius so schnell wie möglich näherte hatten die Velites die Elefanten angelockt. Wie der Plan es vorsah trennten sich die beiden Manipel Velites. Während die eine immer weiter vor den Elefanten floh konnte die andere nun ohne Probleme ihre schweren Speere in das Fleisch der Dickhäuter werfen.



In der Zwischenzeit krachten die Karthager in die römischen Reihen. Da Theophanes aber einen Teil seiner Truppen zurückgehalten hatte, weil Flavius sich näherte hatten die Truppen des Quintus keine zu grosse Last zu tragen. Quintus selbst nahm sogar am Kampf teil, um das verhasste Karthagerblut an seinem Schwert hinunterlaufen zu lassen.



Noch bevor die letzten karthagischen Truppen in den Kampf verwickelt worden waren, flüchtete schon die Hälfte der kämfpenden Söldner. Trotzdem, dass es alle hervorragende Krieger waren und schon als Veteranen galten konnten sie der römischen Taktik nicht viel entgegensetzten, zumal Theophanes irgendwann im Handgemenge verletzt wurde und schnellstens das Schachtfeld verliess. Dann endlich konnten die Manipel des Flavius in die Schlacht eingreifen. Es war nur noch ein Gemetzel.



Quintus sass auf seinem Ross und schaute von dem kleinen Hügel aus über die Kampfszenen. Dann hörte er einen verzweifelten Hornstoss, blitzschnell drehte er sich um und konnte gerade noch erkennen, wie Flavius erstochen wurde. Der Diktator war tot, jetzt konnte man nur noch hoffen, dass seine Soldaten die Nerven behielten.
Glücklicherweise waren auch die römischen Truppen kamfgestählte Veteranen und überwanden den Tot des römischen Generals mehr oder minder gut. Durch dieses vorbildliche Verhalten konnten alle karthagischen Truppen in die Flucht getrieben werden. Da Quintus genau wusste, dass sie wohl nochmals gegen die Fliehenden antreten mussten, liess er sie verfolgen und so gut wie möglich vernichten.



Es war Abend geworden. Das viele Blut, das geflossen war, machte den Boden schlammig und rutschig. Langsam kehrten die Legionäre in Gruppen zurück. Keiner trug mehr die Rüstung. Teilweise hatten sie einen leichten Lederpanzer an, alle hatten den Gladius an ihrer Seite. Sie luden die Toten Legionäre auf einen Wagen. Die Söldner wurden auf einen Haufen geworfen. Da die Finanzen des Reiches noch immer alles andere als rosig waren, wurden auf Befehl hin alle Metallteile zusammengesammelt. Die Leibwache des Quintus barg den Leichnam des verstorbenen Diktators.
Während ein Grossteil der verbliebenen Legionäre in den Lagern am Pass blieben, zogen einige Auserwählte nach Paestum, als letzte Ehrengarde für Flavius Iulius. Die normalen römischen Soldaten wurden in einem Nahen Wald begraben, doch der erste Diktator seit dem Sturz der Könige sollte im Schrein von Paestum beigesetzt werden. Quintus Iulius verweilte die ganze Vorbereitungszeit in der Villa des Statthalters und überwachte die Arbeiten. Blumen fielen auf die Strasse, Fanfaren wurden geblasen und Soldaten marschierten in perfektem Gleichschritt, als die sterblichen Überreste des Flavius auf die letzte Reise geschickt wurden.
Noch bevor die Beerdigung an der Tagesordnung war, hatte sich die Kunde vom Tod des Diktators verbreitet. Es war als ob düstere Wolken über die Zukunft des römischen Reiches schweben würden. Flavius Iulius war trotz der extremen Steuererhöhung die er eingeführt hatte beliebt gewesen. Ausserdem war er als genialer Stratege bekannt gewesen. Nun sahen viele Römer keine Hoffnung mehr. Der neue Diktator war ein fauler Mann, der einzig und allein in Arretium sass und sich dort den Bauch vollschlug. Im Gegensatz zu Flavius war er nicht bewandert in militärischen Gegebenheiten und würde wohl auch keine grossen Truppenverbände ausheben. Was man ihm zugestehen musste war, dass er etwas von Geld verstand und so würden wohl ausschliesslich die Wirtschaft voran gebracht werden. Aber konnte das Reich alleine auf die Macht seiner Wirtschaft und der bereits bestehenden Legionen zählen?
Aufgrund der bedrückten Stimmung verliess Quintus Paestum gleich nach der Beerdigung. Die Soldaten in den Lagern verbreiteten hingegen gute Stimmung. Sie alle schwelgten noch im Glück über den errungenen Sieg. Es war eher ein gemächliches Treiben, es wurde gelacht und gezecht. Schwerter wurden gerade gebogen, Schilde ausgebeult und Kettenhemden ausgebessert.
Am Abend liess Quintus alle hohen Offiziere in seinem Zelt zusammenrufen.
„Meine Herren. Seit der Schlacht gegen Theophanes ist nun ein Monat vergangen. Die Truppen sind noch immer hochmotiviert und glauben im Gegensatz zu den Bürgern noch an einen Sieg über Hannibal. Um diese Stimmung auszunutzen habe ich entschieden morgen den Marschbefehl gegen Rhegion zu geben.“
Decius Cato meldete isch zu Wort. „Ich stimme zu, wir sollten die Motivation ausnutzen sollten. Ich bin aber der Meinung wir sollten gegen Taras marschieren. Theophanes muss vernichtet werden. Jetzt ist er noch schwach, aber wie wird es erst sein, wenn wir Rhegion eingenommen haben? Theophanes könnte eine neue Armee ausheben.“ Einige der Offiziere nickten.
Serxtus Iunius, ein Offizier der Legion des Flavius, ergriff Partei für Quintus: „Auch dein Standpunkt hat etwas für sich Cato, dennoch, Hannibals Truppen sind Veteranen während frisch ausgehobene Männer von unseren Soldaten überrannt werden können. Hannibal ist die wahre Bedrohung. Sollte er eine weitere Armee ausheben, haben wir so gut wie keine Chancen mehr die Karthager vom Festland zu vertreiben. Wir haben keine Ahnung wie die finanzielle Lage der Karthager aussieht, unsere hingegen ist nach wie vor katastrophal. Flavius hat derart viele Bauprojekte gestartet, dass wir unsere eigenen Truppen unmöglich aufrüsten können. Mit anderen Worten bedeutet das, dass unsere Legionen auf Jahre hinaus nicht grösser werden. Die einzige Möglichkeit Hannibal zu vernichten ist jetzt, mit beiden Legionen zuzuschlagen.“ Diese kurze Rede überzeugte viele der Anwesenden, wenn auch nicht alle. Trotzdem sah Quintus keinen Sinn in weiteren Diskussionen. „ Bereitet die Legionen vor. Morgen um die Mittagszeit marschieren wir los.“ Mit einem Schlag mit der Faust auf die Brust verliessen alle das Zelt.
Nach dem Morgenessen, welches aus ein paar weissen Trauben bestand, ging der Feldherr hinaus und beobachtet das geschäftige Treiben zwischen den Zelten.
Wasserkessel wurden über Feuerstellen gelehrt, Zelte zusammengelegt und auf Karren verfrachtet. Gegen Mittag wurde zum Abmarsch geblasen. Eine gewaltige Marschkolonne von gut 10000 Mann ergoss sich aus dem Lager. Vorneweg die höheren Offiziere mit den Legionsstandarten auf ihren Pferden. Quintus Iulius, der nun der alleinige Befehlshaber der beiden Legionen war, stach mit seinem weissen Ross aus den ansonsten dunklen Reittieren heraus.

Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

24.03.2009 21:19
#5 RE: Kapitel I: Die Prophezeiung antworten

541 a.u.c. Tempelstadt von Delpi

Manius fegte einen der breiteren Wege und befreit ihn vom Laub. Wie schon so oft schaute er sich um und betrachtete die Berge um die Stadt herum. Dort in weiter ferne musste Italien liegen und damit auch Rom. Er träumte oft von einem einfachen und friedlichen Leben in der Hauptstadt, auch wenn es ihm und Appius in der Sklaverei nicht schlecht erging. Das Essen war wesentlich besser als Manius es erwartet hatte und am Abend konnten sie manchmal bei einem Lehrer zuhören und noch etwas lernen. Es war auch die einzige Möglichkeit wie man an Informationen aus der Welt herankam. Trotzdem waren solche Abende selten aber sie lockerten die Atmosphäre ganz deutlich auf. Am Tag schauten die beiden Jungen zu den Tempeln und den Strassen, lasen Trauben von den Weinbergen und transportierten sie in die Weinkellereien.

Irgendwann, es war Hochsommer, lehrte sich die gesamte Tempelstadt zu einer Zeremonie, einzig ein paar wenige Sklaven blieben um die Stadt zu säubern. Allen Sklaven war das betreten der inneren Tempel beim Tode verboten und so kamen sie eigentlich auch nie an den grossen Apollontempel heran, jetzt aber gab Manius Appius einen Wink. Langsam schlich er sich an das unbewachte Tor heran. Eine einzige Patrouille war zurückgeblieben und als diese vorbeimarschiert war, rannten die beiden von einem Busch zum nächsten. In der Nähe des grossen Tempels war ein Teich, den man nur von einer Seite knapp einsehen konnte. Sie gingen dorthin und liessen die Füsse reinbaumeln. Das Wasser war angenehm kühl und glasklar. Jeder einzelne Stein war am Grund des Beckens auszumachen und die Sonnenstrahlen zeichneten sicht ständig verändernde Muster. Eine zeitlang sassen sie so da, dann stand Appius auf und trat hinter seinen Freund. Mit einem leichten Stoss rutschte Manius in den Teich hinein. Prustend tauchte er auf, lachte und spritze das Wasser umher. Appius stand grinsend am Rand des Beckens als Manius plötzlich verschwand. Erst dachte er sich nichts dabei, aber es dauerte lange bis er wieder auftauchte. Als sein Kopf dann endlich die Wasseroberfläche wieder durchbrach, erklang ein Schrei wie nicht von dieser Welt. Erschrocken schaute sich Appius um, bis er merkte das Manius schrie. Er schrie aus Leibeskräften und wollte nicht aufhören. Er schlug das Wasser als sei es etwas Böses, dass im ungeheure Schmerzen bereitete. Ohne lange zu überlegen sprang Appius ins Wasser und zog Manius an Land. Er konnte keinen Grund ausmachen, weshalb Manius so schrie.
An Land schienen Manius Schmerzen langsam nachzulassen, nach und nach wurden aus den Schreien ein erbarmungswürdiges Gewimmer. Bevor Appius aber nach dem Grund dafür fragen konnte, waren sie von der Patrouille umstellt. Wie Verbrecher wurden sie abgeführt und Appius hatte keinen Zweifel daran, dass sie nun hingerichtet werden würden. Eingesperrt waren sie in einem Keller unter einem der Tempel. Kein Licht drang durch und Manius war noch immer nicht ansprechbar. Irgendwann schlief er ein. Erst als er einen Tritt in die Rippen bekam wachte er wieder auf. Sie wurden auf den grössten örtlichen Platz geführt wo einige Soldaten und eine riesige Menschenmenge standen. Die beiden Jungen wurden auf die Knie gezwungen. Manius, der noch immer kein Wort gesprochen hatte schaute zum Himmel. Er dachte daran wie ihn die Götter auf Sizilien gerettet hatten und fragte sich wo sie jetzt blieben. Anstatt einer Lichtgestalt erschien in Priester in schwarzen Roben mit einem blutroten Streifen. Die schon Anwesenden Priester in ihren weissen Roben erstarrten. Alle Köpfe wanden sich dem Schwarzgewandeten zu. Die Gesichtsausdrücke sprachen eine klare Sprache. Alle wussten wer der Mann war, alle fürchteten ihn bis zu einem gewissen Grad und doch zeigte sich gerade auf den Gesichtern der Priester des Apollon ein gewisser Trotz. Einer der Priester in ihren weissen Gewändern trat vor: „ Was wollt ihr hier?“ Es war eine rethorische Frage und alle Anwesenden wussten das. Der Neuankömmling deutete auf die beiden am Boden knienden Jungen. „Ihr wisst nur zu gut warum ich hier bin. Wartet ihr nicht seit dem Tod Alexanders vor gut 100 Jahren auf unser erscheinen? Habt ihr diesen Tag nicht immer gefürchtet?“ Eine kurze Pause bevor der Priester antwortete:
„ Ihr könnt doch nicht im Ernst noch immer glauben, dass Alexander nicht der Auserwählte war. Vorallem nicht wenn ihr hier diese Knaben anseht. Keiner von den beiden kann der sein von dem die Prophezeiung spricht. Seht sie euch an, es sind zum Tode verurteilte Sklaven. Gewandet in das billigste Leinen... menschlicher Abschaum.“ Der Schwarzgewandete schüttelte den Kopf , dann schaute er Manius an und sprach zeig mir deine Hüfte Junge, die Linke. Manius war verwirrt, tat aber was der Mann ihm gesagt hatte. Alle schauten auf die feine Narbe die er dort hatte. Einige der Priester des Apollon wurden bleich, der Wortführer gab ich jedoch noch immer kämpferisch. „Pff, das beweist noch gar nichts. Ich will deine Rechte Handfläche sehen, Junge, sofort!“ Manius tat wie ihm geheissen Was er bisher noch gar nicht bemerkt hatte zeigte sich nun. Auch auf der Handfläche war ein Phönix zu sehen. Der wortführende Priester schnappte nach Luft. Doch bevor er etwas sagen konnte hob der „Retter“ seine Hand. Auf dieses Zeichen erschien eine ganze Hundertschaft an Soldaten. Gerüstet mit goldenen Rüstungen, bewaffnet mit Speeren aus Silber umstellten sie den Platz mit allen darauf befindlichen Menschen. „Genug, ich bin dieser ewigen Diskussion mit der Priesterschaft müde.“ Ein Wink mit der Hand und die neu angekommenen Soldaten begannen die Menschen auf dem Platz zu töten. Schnell liefen Bäche aus Blut über das Pflaster. Auch die Priester des Apollon wurden nicht verschont. Der schwarze Priester ging zu den beiden Jungen hin, nahm sie beim Arm und führte sie von dem Platz weg.

543 a.u.c. Rom

Der Senat tagte wieder einmal mehr. Die Frage der Getreideversorgung von Rom war gerade abgeschlossen worden und die Diktatur erhitzte die Gemüter. Der Vorsitzende des Senats, Tertius Atilius Sigilis, ergriff das Wort: „Senatoren Roms. Wir haben eine schwere Zeit hinter uns. Jetzt aber ist Hannibal mit all seinen Truppen vertrieben und auch die nördlichen Grenzen sind gesichert. Aber es schaut nicht überall so rosig aus. Unsere Truppenzahl beschränkt sich auf eine Legion an den nördlichen Grenzen. Der Diktator schert sich einen Dreck darum und frönt ein luxuriöses Leben in seinem Palast in Arminium. Was soll geschehen? Soll er noch länger dort sitzen und ...“

Ein Bote tritt in den Raum und geht zum Vorsitzenden. Er überreicht eine Pergamentrolle verbeugt sich und verschwindet dann wieder. Das Pergament trägt ein seltsames Siegel das noch niemals zuvor gesehen worden ist. Der Vorsitzende liest es durch.

„Nun, vielleicht haben wir ein grösseres Problem. In Ostia sind heute griechische Schiffe angekommen. Die beiden Legionen die damit transportiert wurden sind auf dem Weg nach Rom. Keine unserer Legionen wird genug schnell hier sein, sollte der General uns angreifen wollen. Was sollen wir tun?“

Als erstes meldete sich der Senator Flavius Amandus Octavius zu Wort:

„Sentatoren und Freunde Roms, es liegt eine sehr schwere Entscheidung vor uns! Wenn die Griechen wirklich in Ostia an Land gegangen sind, gehe ich nicht davon aus, dass sie direkt auf Rom marschieren. Nein, sie werden eher eine kleinere Stadt in der Umgebung angreifen. Doch auch das können wir nicht zulassen! Deshalb fordere ich so schnell wie es nur geht eine Armee hierher zu beordern, oder so viel Einheiten wie möglich im nächsten halben Jahr auszubilden!“

„Edler Flavius Amandus Octavius, welche Legion sollten wir nach Ihrem Gedünken hierhin beordern?
Freunde, hört meine Worte, wir müssen unverzüglich eine neue Legion ausheben! Unser Reich ist von allein Seiten bedroht. Unsere Garnisonen können keine ganze Armeen aufhalten, geschweige den zurückschlagen. Wir brauchen dringend eine neue Legion!“, antwortete Sextus Claudius Martialis darauf.

In diesem Stil ging die Diskussion weiter. Man überlegte was die Griechen wohl wollten, ereiferte sich über die Unfähigkeit des Diktators beratschlagte eben was zu tun war. Sollten vielleicht Soldaten aus dem Süden abgezogen werden? Nein dann würden die Bürger revoltieren. Neue Truppen ausheben? Mit was für Geld? Die Diskussion drehte sich mehr und mehr im Kreis bis man sich entschloss, einen Boten zu den Griechen zu senden.

Der Bote ritt auf der Strasse nach Ostia, doch das Durchkommen wurde immer schwieriger. Ochsenkarren, beladen mit Wein- und Ölamphoren, Getreide und getrocknetem Fisch schoben sich träge Richtung Rom. Schon lange hatte man nicht mehr so viele Nahrungsmittel von Ostia her transportiert. Von den Legionen die gegen Rom marschieren sollten war keine Spur zu sehen.

In Ostia selbst erwartete den Boten die nächste Überraschung. Es waren keine griechischen Phalangen und keine makedonische Kavallerie die, die Stadtmauern bewachten und die Stadt besetzt hielten. Hastati und Principes standen dort. Die Torwachen waren Triarii. Der Bote konnte ohne gehindert zu werden durch die Tore treten. Als er einen der Triarii ansprach wurde ihm höflich geantwortet. Auf seine Bitte hin wurde er zum Feldherren geführt.

Manius Iulius und Appius Livius waren bei den Docks und überwachten die Löschung der Nahrungsmittel. Ein Geschenk der Griechen an Rom. Manius grinste, es war wohl eher der kleinere Teil. Als der Bote zu ihnen gebracht wurde und den Gruss des Senats überbrachte schaute Manius ihn an. „Sag dem Senat, ich, Manius Iulius, stelle der römischen Republik meine Truppen zur Verfügung. Sag ihnen auch, dass die Prophezeiung des Apollon seinen Anfang genommen hat. Ich denke sie werden herausfinden was damit gemeint ist.“

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