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 "Freiheit oder Tod"
Sandrokottos Offline




Beiträge: 924

10.07.2008 14:39
RE: Prolog antworten

Prolog

Es sind schwere Zeiten, die mein Volk durchleben muss. Seit über einem Jahrhundert ist es geknechtet von den Römern, deren Legionen wie eine große Seuche die Länder rings um das Mittelmeer mit Tod und Verwüstung überziehen. Lange vergessen sind schon die Tage eines Judas Maccabäus, der letztmalig die Kinder Abrahams von fremdem Joch zu befreien vermochte. Niemand lebt mehr, der sie bezeugen könnte, die Heldentaten der Hasmonäer und des ganzen jüdischen Volkes.
Einzig im kollektiven Gedächtnis unseres Volkes haben sie sich eingebrannt, und so werden auch sie die Jahrtausende überdauern, wie es bereits den Königen Saul, David und Salomo, dem Heerführer Josua und dem Befreier Moses erging. Niemals werden wir die Taten derer vergessen, deren Blut für die Freiheit der Juden floss!

Heute nun bricht ein weiterer dieser Kämpfe an, die unsere Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt prägen. Unter der Führung der Zeloten und Johanns von Gischala stehen wir nun erneut im Kampf gegen unsere Unterdrücker zusammen. Und mit Gottes Hilfe werden wir auch die mächtigen Römer vom heiligen Boden Israels und Judas vertreiben, wie es bereits so viele Male geschehen ist!

Im Vertrauen auf Gott und die Kraft unseres Volkes schreibe ich dies nieder, um ein Zeugnis zu geben vor der ganzen Welt vom ungebrochenen Freiheitswillen der ehemaligen Sklaven Ramses’ II., die sich erneut einer schier unüberwindlichen Übermacht gegenübersehen und doch den Kampf wagen.

Doch um nun mit meiner Darstellung zu beginnen, so lasst mich berichten, wie es zu dieser Erhebung kam, die die römische Herrschaft über Judäa hinwegfegte, als handelte es sich um Sand in einem Sturm:

Im Jahre 3827 herrschte ein skrupelloser Statthalter in der römischen Provinz Judäa, sein Name war Gessius Florus. In seiner Grausamkeit kannte er kein Mitleid, in seiner Ruchlosigkeit keine Scham, und nie hat er so die Wahrheit in Lüge verkehrt oder schlauere Mittel ersonnen, um verbrecherische Absichten zu erreichen.
Nachdem seine Steuerpolitik allgemeine Armut befördert sowie die Einnahmen sinken gelassen hatte, war ihm jedes Mittel recht, den Ausfall zu kompensieren.
In demselben Jahr nämlich plünderten seine Soldaten nämlich den Tempelschatz, dem sie 17 Talente raubten.
Darauf erboste sich die Bevölkerung Jerusalems gegen den Prokurator und demonstrierte vor der römischen Präfektur am herodianischen Palast.




Im Verlaufe der Proteste kam es zu Gewalttätigkeiten auf beiden Seiten. Die aufgebrachten Bürger legten darauf Feuer an die Stadtgarnison, die dabei völlig zerstört wurde.



Obwohl die Demonstranten den Soldaten des Präfekten bisher kein Haar gekrümmt hatten, ließ dieser seine Soldaten anrücken, die die Menge auseinandertrieben.




Die Soldaten richteten auf dem Marktplatz ein Massaker an, dem tausende zum Opfer fielen. Am Abend war es nicht mehr möglich den Platz zu überqueren, ohne zumindest einen Toten zu berühren!



Als die Soldaten ihr blutiges Werk beendet hatten gingen sie daran, den Markt und das Händlerviertel zu plündern. Jeder, der sich ihnen in ihrem Wahn entgegenstellte, wurde niedergemacht. Zuletzt steckten sie die Häuser der Kaufleute in Brand, wobei besonders viele Frauen und Kinder starben.
Die Verwüstungen ließen sich noch von weitem erkennen, denn eine hunderte Fuß hohe Rauchwolke stieg über der Stadt auf.




Indes wuchs der Zorn ins unermessliche und viele schlossen sich den Zeloten an, einer radikalen Vereinigung, die die Römer mit terroristischen Mitteln bekämpfte und ein Judäa frei von jeder Fremdherrschaft propagierte.
Doch zunächst sollte Florus noch einmal seine ganze Abscheulichkeit offenbaren, denn von den Geschehnissen in Jerusalem entsetzt beschloss er, die Juden für ihren Aufruhr zu bestrafen.
So befahl er den Bewohnern Jerusalems, dem Einmarsch von zwei Kohorten in die Stadt zuzujubeln. Doch noch waren die meisten Einwohner einer offenen Revolte abgeneigt und fügten sich dem Befehl.
Als nun die Kohorten die Stadt erreichten, hatten sich die Bewohner am Straßenrand versammelt, um den Soldaten Ehre zu zollen.







Als die Soldaten jedoch die Straße erreichten, verweigerten sie den Juden den Rückgruß, was eine schwere Demütigung bedeutete. Dazu hatte sie Florus im vornherein angewiesen, um den Juden unmissverständlich zu zeigen, wer der Herrscher in ihrem Land war.
Als sich die Bürger über dies empörten, ließ Florus die Legionäre auf die Menge einschlagen.
Doch viele Zeloten waren dort, die augenblicklich ihre Waffen hervorholten und zum Gegenangriff übergingen.





Eine der zwei Kohorten wurde von der Menge erdrückt, während die andere versuchte, sich zum Statthaltersitz durchzuschlagen. Doch sie wurde von den Aufgebrachten verfolgt und ihnen schließlich kurz vor ihrem Ziel der Weg abgeschnitten.




Schnell waren die Truppen von zelotischen Rebellen umzingelt.



Doch entgegen ihren Erwartungen gewährten die Aufständischen ihnen freien Abzug. Selbstverständlich nur gegen eine enorme Lösegeldsumme.


Als die Botschaft von der geglückten Erhebung in Jerusalem wie erwartet von den geflohenen Legionären verbreitet worden war, folgten diesem Beispiel bald Juden in der gesamten Provinz.
Nun verblieb lediglich Caesarea als letzter Stützpunkt der Römer im heiligen Land.
Johann von Gischala stellte eilig ein Heer auf, um diesen Stachel im Fleische des neuen jüdischen Staates zu beseitigen, bevor er Schmerzen verursachen konnte.
Doch entgegen seiner Erwartung war der römische Garnisonskommandant klug genug, die Ausweglosigkeit seiner Lage zu erkennen und die Waffen zu strecken.
Auch ihm und seinen Männern wurde freier Rückzug auf römisches Gebiet gewährt.

Doch dieser Erfolg veranlasste den syrischen Statthalter Cestius Gallus, einen klugen Mann, der bereits früh die Klagerufe der Juden gegen Florus an Kaiser Nero berichtet hatte, ein Heer in Richtung Judäa in Marsch zu setzen. Es umfasste drei reguläre Kohorten und zahlreiche Hilfstruppen.



Bei der kleinen Ortschaft Bet Horon in Galiläa trafen die beiden Heere aufeinander.



Johann hatte sein Heer zuvor um Kamelreiter aus den Judäa umgebenden Gebieten verstärkt.
Ebenso war es ihm gelungen, innerhalb kürzester Zeit viele Bogenschützen und Scheuderer auszubilden. Zwei Faktoren, die Gallus nicht berechnet hatte und die ihn folglich völlig überraschten.





Doch zunächst nutzte Gallus die verbleibende Zeit, um Bet Horon als Stützpunkt zu sichern.



Dann befahl er den Angriff.
Die von den Bogenschützen völlig überraschten Kavalleristen an der rechten römischen Flanke wurden schnell ein Opfer ihrer Torheit.


Auch die übrigen Truppen wurden vor dem eigentlichen Zusammenstoß schon stark von den Pfeilen der Feinde dezimiert.
Als schließlich der Kampf begann, schickte Gallus seine Hilfstruppen ohne jeglichen Flankenschutz vor, immer noch in dem Glauben, mit den jüdischen Truppen leichtes Spiel zu haben.



Doch nachdem die Kamelreiter an der linken Flanke die übrige Kavallerie der Römer vernichtet hatten und Gallus selbst gegen sie fiel,



verließ auch die übrigen Truppen der Mut und sie flohen.




Nur wenige konnten sich nach Bet Horon retten, wo sie jedoch schon bald von den jüdischen Truppen eingeschlossen wurden.



Ein Pfeilhagel der in sicherer Entfernung befindlichen Bogenschützen schwächte die Römer vor dem letzten Verzweiflungskampf zusätzlich.




Ihr Tod war nunmehr nur noch eine Frage der Zeit…




Die Schlacht bei Bet Horon war ein deutlicher wie wohlverdienter Sieg für das jüdische Heer, das im Triumph nach Jerusalem zurückkehrte.




Auf der anderen Seite des Mittelmeeres, in Rom, wurde Nero sehr zornig, als er von der Vernichtung des syrischen Heeres erfuhr. Verzweifelt suchte er nach einem Heerführer, den er mit der Niederschlagung des Aufstandes beauftragen konnte.
Doch weder fand sich jemand, den Nero für fähig genug gefunden hätte, sein Heer zu befehligen, noch vertraute er jemandem so weit, dass er ihm diese überaus wichtige Aufgabe zu übertragen gedachte.
Seine Berater drängten den Imperator, Vespasian um Hilfe zu ersuchen. Er war einst Neros fähigster Feldherr gewesen, doch waren dem Kaiser seine zahlreichen Erfolge zu gefährlich geworden. Nun war er auf ihn angewiesen.
Widerwillig sandte Nero einen Boten nach Griechenland, wo Vespasian und sein Sohn Titus ihr Exil verlebten, mit dem Befehl, sofort nach Athen aufzubrechen und das Kommando über die dortigen Legionen zu übernehmen, um den Aufstand in Judäa zu beenden.
Auf eine Rehabilitierung hoffend stimmte Vespasian zu.
Nur zwei Tage später verließen drei gut ausgerüstete Legionen und eine Flotte von 30 Kriegsschiffen den Hafen Piraeus.

Die Entscheidungsschlacht um die Zukunft der 12 Stämme Israels sollte beginnen…

[ Editiert von Sandrokottos am 10.07.08 15:31 ]

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