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 Rome Total War - Kampagnengeschichte "Ex flammis orior"
Markus Iulius Offline




Beiträge: 277

24.06.2008 07:22
RE: Ex flammis orior antworten

Prolog



EX FLAMMIS ORIOR



Jahr 0 a.u.c. ; Delphi

Die grosse Prozession näherte sich dem geheiligten Boden. Von Priestern umringt ging in der Mitte die Phytia mit gesenktem Kopf. Ein weisses Kleid umhüllte ihre zierliche Gestalt. Langsam schritten sie auf die reinigenden Quellen zu. Gedanken schossen dem Orakel durch den Kopf, was würde geschehen? Mit einer fliessenden Bewegung streifte sie das Kleid ab und stieg in das kalte Wasser. Während ihr die Kälte Schauer über den ganzen Körper jagte, glitt sie immer weiter hinein. Nach einem kurzen Moment vollständigen Untertauchens hatte sie die rituelle äusserliche Reinigung hinter sich gebracht. Ihr wurde in das weisse Kleid geholfen, welches ihren Körper nun kaum noch verhüllen konnte, dann reichte man ihr auch schon den Tonbecher, welcher das geheiligte Wasser enthielt, dass sie innerlich reinigen sollte.
Die Schritte auf den Apollontempel zu waren schwer. Die junge Priesterin hatte Angst vor der Aufgabe die vor ihr lag und so war auch der Tempel furchteinflössend für sie. Der Gang zu dem dreibeinigen Stuhl, welcher über der Erdspalte der stand, wurde immer schwerer, die grossen Säulen um sie herum schienen sie zu erdrücken. Als sie den Kopf hob, traf ihr Blick auf die beiden Apollonstatuen am Ende des Tempels. Die Statue strahlte eine solche Güte aus, dass sich die junge Frau nun ganz aufrichtete. Den Blick weiterhin auf den Gott gerichtet marschierte sie nun schneller auf den Stuhl zu, Mut und Entschlossenheit erfüllten sie. Heute war der Tag des Apollon, der Tag ihres ersten Orakelspruches. Graziös setzte sie sich auf den Reich verzierten Stuhl. Sie bemerkte, wie die Eskorte aus Priestern auf die Knie fiel und den Kopf senkte, dann atmete sie tief ein und ihre Sinne schwanden dahin.

Sie war nicht mehr in Griechenland, sondern weit davon entfernt. Sie stand auf einer Veranda, am Horizont konnte sie einen Berg erblicken, welcher unermüdlich Rauch und Asche ausspuckte. Ihr Blick glitt in die Ferne und dann sah sie ihn, Apollon…

Die Priester, welche kniend vor der Phytia sassen mussten sich in Geduld üben. Es kam vor, dass ein Orakel lange brauchte, bis es die Nachrichten des Gottes wiedergeben würde, doch dieses brauchte jetzt schon sehr lange. Einer der jüngeren Priester wagte es den Kopf zu heben und er sah die Wahrsagerin mit vor Schrecken weit geöffneten Augen, die Hände krallten sich an die Griffe des Stuhles und der Mund schnappte nach Luft, als ob sie ein Fisch wäre, der aus dem Wasser geholt worden war.
Von Angst ergriffen stand er auf, die anderen wandten ihm empört den Kopf zu und folgten dann seinem starren Blick. Einer nach dem anderen erhob sich vom Marmorboden. Dann begann sie zu sprechen, aber nicht mit der Stimme einer jungen Frau, sondern mit der eines Mannes, der schon vieles gesehen und grosse Weisheit erlangt hatte: „Aus Flammen wird er sich erheben… Reiche frucht wird eingefahren werden, während sich das Bild der Welt ändert... Blut wird das Fundament sein.“ Zwischen den einzelnen Sätzen wurden die zeitlichen Abstände immer grösser. Nachdem der letzte Orakelspruch gesagt worden war begann die Phytia zu glühen. Eine Aura so hell wie die Sonne umgab sie. Die Priester wandten den Blick ab und schlossen die Augen, warfen sich auf den Boden und blieben dort liegen, auch dann noch als sie einen dumpfen Aufschlag hörten. Als die Helligkeit beinahe vollständig abgeklungen war, bewegten sich die Priester. Die junge Frau lag auf der Treppe, tot.

Die Geschehnisse in Delphi wurden aufgezeichnet und die Priestergenerationen hielten die Prophezeiung unter Verschluss und mit der Zeit trat sie in den Hintergrund. Als dann Alexander der Grosse sein Weltreich errichtete sah die Priesterschaft den Wortlaut der Prophezeiung erfüllt. Nur eine Handvoll warnte weiter, die Weissagung sei nicht erfüllt worden. Der erste Satz, Aus Flammen wird er sich erheben, lasse sich nicht in die Geschichte Alexanders einfügen, aber diese Worte verhallten ungehört.


538 a.u.c. in der Nähe von Messana

Claudia stand auf der Veranda und schaute in die Ferne. Sie wusste sehr genau, der zweite punische Krieg war in vollem Gange und eigentlich war es Selbstmord noch hier zu bleiben, wo doch jeden Tag eine Armee der Karthager auftauchen könnte. Trotzdem wollte sie nicht weg, noch nicht. Ihr Mann, Vibius Iulius, war aufs Festland gerufen worden. Den Nachrichten zufolge hatte er dort das Kommando über eine Legion erhalten und war in den Norden geschickt worden, um die Gallier davon abzuhalten, den Po zu überschreiten.
Die eigentliche Gefahr aber, drohte wohl eher im Süden Italiens. Hannibal hatte in der Schlacht von Cannae beinahe die gesamte römische Armee vernichtet. Es gab im ganzen Reich nur noch knapp drei volle Legionen. Nun hatte der Senat handeln müssen und hatte einen Diktator ernannt, so schnell konnte man zum herrschenden Geschlecht werden. Claudia lachte in sich hinein. Sie drehte sich um und ging in die Villa. Im grossen Wohnraum sassen Manius und sein Lehrer am Boden. Der Junge hatte ein schweres Los. Er musste in die Fusstapfen seines Vaters treten, hatte aber keinerlei Ambitionen zum Krieger. Er verabscheute nichts so sehr wie die Übungskämpfe. Sie ging zu ihm hin, strich ihm über das Haar und ging dann weiter ins Esszimmer. Es war schon spät, die Speisen würden wohl bald aufgetragen werden.
Tatsächlich war sie kaum eingetreten, als auch schon die Dienerinnen die gefüllten Wachteln, den gebratenen Fisch und all die anderen Esswaren brachten. Offensichtlich hatte auch ihr Sohn genug vom Unterricht, denn kaum hatte er das Essen gerochen, rannte er auch schon ins Zimmer und landete mit einem Sprung auf seiner Liege.
Wie immer schmeckte das Mahl hervorragend und sättigte ungemein. Wohlgenährt gingen sie zu Bett.
Rufe weckten den Jungen, Manius, aus dem Schlaf. Er wankte ans Fenster um einen Blick nach draussen zu werfen, um zu sehen wer rief. Als er dann aber wirklich hinaussah erstarrte er, griechische Truppen hatten das Landgut eingekreist und näherten sich nun dem Haupthaus. Die wenigen Wächter hatten sich zwar formiert, würden aber wohl keinen nennenswerten Widerstand leisten können. In diesem Augenblick bebte die Erde. Die Wächter stürzten zu Boden und worden sofort von den Griechen niedergemacht. Etwas rotes trat in sein Blickfeld und er richtete sein Blick auf die Bergflanke. Dickflüssig und zäh trat etwas aus dem Boden, alles was es berührte verbrannte sofort. Er wirbelte herum und rannte hinaus. Vom oberen Stock her konnte er die Soldaten im Atrium erkennen. Sie trieben alle Bewohner des Hauses zusammen, auch seine Mutter konnte er unten im flackern der Fackeln erkennen. Manius hatte Angst und wagte nicht auch nur einen Laut von sich zu geben. Sie brachten den letzten Wächter vor den Anführer der Truppe, welcher ohne grosses Zögern nickte. Der Hoplit durchstiess ihn mit seinem Schwert und Blut floss über die Mosaiken des Bodens in das Wasserbecken, wo er, Manius, schon so oft gebadet hatte. Während sich die Rotfärbung langsam ausbreitete, ging der Offizier auf die Tür zu, gab einen Wink mit der Hand und verschwand dann nach draussen. Die Soldaten drängten die Gefangenen weiter zusammen. Manius ging der Gedanke durch den Kopf, warum die Krieger noch nicht den ersten Stock durchsucht hatten, bevor er aber diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, schallten von unten schreie herauf. Eine Dienerin lag am Boden und die Männer beugten sich grinsend über sie. In diesem Moment traf ihn der Blick seiner Mutter. Ein Soldat folgte dem Blick und Manius konnte sich gerade noch hinter einer Säule verstecken, trotzdem schienen ein paar Soldaten auf dem Weg nach oben zu sein. Er hastete rückwärts und gelangte in den hauseigenen Tempel des Vulcan. Manius hielt das für ein Zeichen und begann für sich und die anderen im Atrium zu beten. Noch bevor der erste der Griechen auftauchte, hörte er Schreie und Rufe wie von weit her. Er betete weiter und mit der Zeit wurde es ruhig, aber auch warm. Noch immer war keiner der Krieger aufgetaucht. Ein stechender Schmerz fuhr ihm in den Nacken, er drehte sich und sah, wie hinter ihm Flammen züngelten. Er sass in der Falle, denn der Tempel hatte kein Fenster.
Mit der Zeit wurde die Hitze unerträglich zwar brannte der Raum selbst noch nicht, aber die Wände strahlten die Hitze, der dahinterliegenden, brennenden Räume, sehr gut ab. Bevor der Junge ohnmächtig wurde sah er noch, wie die Vulcanstatue in der Nische Feuer fing.

Manius verliess seinen Körper, schwebte weg durch die Tür hinaus. Er sah die Soldaten in Panik davonrennen. Das Haus brannte lichterloh, entflammt durch einen der Lavaströme die vom Berg hinunterflossen. Sein Geist wurde dann auch vom Vulkan angezogen, dabei stieg er immer höher und höher. Als er genau über dem rotglühenden Lavasee im Krater angekommen war, hatte er die Wolken erreicht. Wie eine Decke umhüllte sie ihn, bis er sie durchbrach. Trotzdem dass es Nacht war, schien alles taghell und er konnte die Gestalten sehen, die das Licht ausstrahlten. Fünf waren es an der Zahl. Ihm wurde klar, dass er hier die Götter sehen konnte. Der mit dem Adler auf dem Arm war wohl Jupiter, rechterhand stand dann, zu erkennen am Speer in der einen Hand Mars. Rechts von Mars erhob sich Vulcan mit seinem kolossalen Hammer. Dann waren da noch Minerva in voller Rüstung, die einzige Frau und Apollo mit der Harfe in der Hand. Einen momentlang war Manius wie erstarrt, dann warf er sich zu „Boden“ so gut das halt im Himmel ging. Die Götter diskutierten untereinander und nahmen die Gestalt des Jungen nicht wahr. Nach einiger Zeit hob Jupiter dann die Hand. Sie alle sahen den Jungen an, nickten alle nacheinander, angefangen bei Apollo bis hin zu Vulcan. Noch immer lag Manius auf der Erde und bekam daher nicht mit, wie sich die Götter rund um ihn verteilten. Einer nach dem anderen hielt seine Hand über den Geist. Als erster sprach Apollo: „Ex gratia“, dann war Vulcan an der Reihe: „Ferro ignique“, Minerva: „Fons et origo“, Mars: „Finem vitae specta“ und zu guter letzt sagte Jupiter: „Ex flammis orior“


Anmerkungen: Die Zeit ist in a.u.c. gerechnet, also in Jahren seit der Gründung der Stadt Rom.
Die Übersetzung der lateinischen Texte am Schluss:
Ex gratia: Aus der Gnade
Ferro ignique: Mit Feuer und Eisen(Feuer und Schwert)
Fons et origo: Quelle und Ursprung
Finem vitae spechta: Schau auf das Ende des Lebens
Ex flammis orior: Ich entstehe aus Flammen

[ Editiert von Markus Iulius am 24.06.08 8:19 ]

[ Editiert von Markus Iulius am 24.06.08 8:23 ]

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